Freitag, 18. April 2014
Winterveredelungen 2014 Zwischenstand
Als Unterlagen haben wir für die Äpfel 26 x M9 und für die Birnen 14 x Quitte A verwendet.
Hier der derzeitige Stand des Austriebs. (+) steht für ausgetriebene Edelreiser, (-) für Reiser, bei denen (noch) nichts zu sehen ist.
Unsere Apfelsämlinge:
S V (-)
S VI (+)
S VII (+)
S VIII (-)
S IX (-)
S X (-)
S XI (+)
S XII? (+)
S XII? (+)
S XIII? (+)
S XIV (+)
S XV (+)
S XVI (+)
S XVII (+)
Apfelsämlinge aus der freien Landschaft und Unterlagen:
Sämling aus St. Peter-Ording (-)
Netzrenette Unterlage? (+)
Sämling "Yummie Alex" aus dem Forum Garten-pur von User b-hoernchen (Geschichte, Beschreibung und Geschmacksberichte dazu hier)
"Yummie Alex" I (+)
"Yummie Alex" III (+)
"Yummie Alex" III mit Porzellanscherbe beschriftet (-)
"Yummie Alex" IV (+)
Alte Apfelsorten:
Burchardts Netzrenette I (+)
Burchardts Netzrenette II (+)
Halberstädter Jungfernapfel I (-)
Halberstädter Jungfernapfel II (-)
Alte Apfelsorten, die bisher nicht identifiziert wurden:
"Schnurrbart-Apfel" (aus Vockfey) I (-)
"Schnurrbart-Apfel" (aus Vockfey) II (-)
Birnenunterlagen:
Unterlage 2. Bürgermeister von rechts (-)
Zwischenveredelung Doppel Wried (-)
Alte Birnensorten:
Bürgermeister/Köstliche von Charneux I (-)
Bürgermeister/Köstliche von Charneux II (-)
Clapps Liebling I (-)
Clapps Liebling II (-)
Alexander Lucas I (-)
Alte Birnensorten, die bisher nicht identifiziert wurden:
"Birne aus Ashausen" I (-)
"Birne aus Ashausen" II (-)
"Birne aus Ashausen" III (-)
"Anis-Birne" I (+)
"Anis-Birne" II (-)
"Anis-Birne" III (+)
"Anis-Birne" IV (-)
Von insgesamt 40 Veredelungen hat also eine knappe Hälfte von 18 Bäumchen am Edelreis ausgetrieben. Dabei ist die Quote bei den Birnen echt mies. Nur 2 von 14 haben ausgetrieben. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Unterlagen besonders vertrocknet wirkten. Glücklicherweise ist die "Anis-Birne" gleich zweimal gekommen, davon bekomme ich nämlich eventuell keine Reiser mehr, weil der Baum abgängig sein soll. Bei den Äpfeln ist die Quote mit 16 von 26 entsprechend besser, wobei von unseren selbst gezogenen Sämlingen sogar 10 von 14 angewachsen sind. Auch vom "Yummie Alex" bekomme ich keine neuen Reiser, so dass es gut ist, dass sie angewachsen sind.
Eventuell kommen auch noch ein paar von den bisher inakiven Bäumchen, noch habe ich die Hoffnung nicht ganz aufgegeben. In ca. zwei Wochen werde ich bei allen angewachsenen Bäumchen den Bast aufschneiden. Dann sind ungefähr sechs Wochen rum. Wenn man den Bast nicht abschneidet, schnürt der das Edelreis sonst gleich wieder ab. Es genügt dabei, an einer Seite mit einem scharfen Messer den Bast zu durchtrennen.
Über meine Steckhölzer werde ich ein anderes Mal berichten, nachdem im letzten Jahr alles gut angegangen und dann im Sommer vertrocknet war. Ich traue mich noch nicht...
Samstag, 11. Mai 2013
Zwischenbilanz Veredelungen und Steckhölzer
Veredelungen: Von den Veredlungen am 13.4.2013 habe ich hier schon berichtet. Als Veredelungstechnik kam die Kopulation mit Gegenzungen zum Einsatz.
Als Unterlagen hatten wir 10 schwachwüchsige M9 Apfelunterlagen und zwei Birnensämlinge gekauft.
Auf die M9 haben wir 1 Holsteiner Cox, 2 Grüner Boskop und 7 Sämlinge veredelt, von denen 2 im Winter von der Wühlmaus abgefressen worden waren.
Ausgetrieben haben beide Grüner Boskop und 3 der Sämlinge, darunter auch einer von einem abgefressenen Bäumchen, das allerdings bisher schwach. Da die Reiser überwiegend suboptimal waren, finde ich die bisherige Bilanz von 50 % Anwachsquote bei den Äpfeln in Ordnung.
Auf die Birnensämlinge haben wir zwei bisher nicht bestimmbare Birnensorten von alten Bäumen aus einem Nachbardorf veredelt, die beide ausgetrieben haben. Die waren uns eigentlich auch am wichtigsten.
Steckhölzer: Am 21.12.2012 habe ich ca. 30 cm lange Abschnitte von Quitte, rotblättriger Kirschpflaume und Uelzener Rambour (Wirtschaftsapfelsorte) durch Kartonpappe (als Unkrautschutz) in die Erde gesteckt. Über die endgültige Bewurzelung kann man natürlich nichts sagen, ohne die Hölzer auszubuddeln, aber einen Austrieb werte ich als gutes Zeichen. An einigen Hölzern sind schon so viel Blätter, dass sie ohne Wurzeln inzwischen eigentlich vertrocknet sein müssten.
Von 25 Quittensteckhölzern haben 10 ausgetrieben und bei einem ist es nicht eindeutig. Auffällig ist, dass die etwas dickeren Reiser am zuverlässigsten ausgetrieben haben (ca. die Dicke eines kleinen Fingers). Die dünnen Triebspitzen und Reiser deutlich unter Bleistiftdicke sind offenbar alle tot - vertrocknet nehme ich an. Anders als bei der Veredelung scheint hier also das 2-jährige Holz am besten zu funktionieren. Die Anwachsquote der dickeren Hölzer liegt bei ca. 75 %.
Von 10 Kirschpflaumensteckhölzern ist nur eins ziemlich sicher nichts geworden. 4 haben Blätter getrieben und 5 weitere bisher nur Blüten. Die dünnen Endstücke haben geblüht.
Vom Uelzenerr Rambour habe ich nur drei Steckhölzer gemacht. Erstaunlicherweise haben alle drei ausgetrieben. Auch diese Steckhölzer sind überwiegend vom 2-jährigen Holz. Der Mythos, dass Apfelsorten sich nur durch Veredelung vermehren lassen, stimmt also nicht. Allerdings sind die Wuchseigenschaften eines wurzelechten Baumes sortentypisch unterschiedlich. Wie der jeweilige Wuchs ist, weiß aber vermutlich niemand mehr. Es sollen auch nicht alle Sorten gleichermaßen zur Steckholzvermehrung geeignet sein. Im nächsten Winter werde ich wohl mal eine Versuchsreihe mit allen verfügbaren Sorten machen müssen und es auch mal mit Birnen probieren.
Nachtrag: Der Versuch ist erstmal fast komplett gescheitert, ich versuche es aber weiter.
Nachtrag 2 (11.01.2014): Neuer Versuch
Dienstag, 16. April 2013
Obstbäume veredeln: Kopulation mit Gegenzungen Schritt für Schritt
Die Veredelung hat ein Bekannter durchgeführt, der das als Hobby schon eine Weile macht. Ich durfte aber auch mal selber Hand anlegen. Insgesamt haben wir 12 Bäumchen veredelt. Zwei bisher nicht bestimmbare Birnensorten haben wir auf Birnensämling veredelt. Um schneller zu sehen, ob unsere Apfelsämlinge brauchbares Obst bringen, haben wir außerdem 10 kleinwüchsige M9-Unterlagen mit einmal Holsteiner Cox, zweimal Grüner Boskop und 7 unserer selbstgezogenen Sämlinge veredelt. Die Unterlagen haben wir bei der Baumschule Peter Klock bezogen, wo sie insgesamt ca. 30-35 € gekostet haben.
Zunächst das Material:
Von links nach rechts:
- 1 weicher Bleistift zum Beschriften der Etiketten
- Kunststoffetiketten
- Haushaltsschere zum Abschneiden des Basts und der Markierungsbänder
- Baumwachs zum versiegeln der Veredelungs- und Schnittstellen
- Veredelungsmesser (einseitig geschliffen)
- Tuch zum eventuellen Voreinigen der Reiser
- gute Gartenschere
- Edelreis
- Veredelungsunterlage
- Außerdem nicht abgebildet: Paketschnut zum anbinden der Etiketten und ein Taschenmesser oder ein Locher zum Lochen der Etiketten.
Nun sucht man sich ein Edelreis. Das sind die einjährigen Wassertriebe, die gerade nach oben wachsen. Dazu nimmt man eine Unterlage mit möglichst gleicher Dicke. Beide werden nun gegenüber einem gesunden Knospenauge schräg abgeschnitten. Die Unterlage natürlich oben, das Reis unten.
Das ist der schwierigste Schritt bei der ganzen Angelegenheit. Ich habe es trotz mehrerer Anläufe nicht zufriedenstellend hinbekommen. Die Schnitte müssen möglichst gut aufeinander passen und dürfen dafür insbesondere nicht wellig sein. Deswegen benutzt man auch spezielle einseitig geschliffene Messer, mit denen das leichter hinzukriegen ist. Die Schnittstellen sollten nicht berührt werden, weil sie dadurch verschmutzen und nicht mehr so gut anwachsen.
Ist man kein Profi oder passen Edelreis und Unterlage von der Dicke her nicht so gut zusammen, muss am Ende trotzdem mindestens eine Seite der aufeinanderglegten Schnittflächen gut aufeinanderliegen.
Das Kambium (direkt unter der Rinde) muss sich berühren, damit die beiden Teile zusammenwachsen können. Hat man die beiden Teile passend geschnitten, müssen sie noch fest verbunden werden. Bei der normalen Kopulation werden sie dafür einfach mit Bast oder Veredelungsgummi verbunden. Um die Stabilität zu verbessern und das Verbinden einfacher zu machen, haben wir noch sogenannte Gegenzungen geschnitten und die Zweige damit ineinander gesteckt. Ein Bild hilft da mehr als jede Beschreibung:
Nun muss die Verbindung fixiert werden. Man achtet nochmal darauf, dass das Kambium sich an mindestens einer Seite auf der ganzen Länge berührt und umwickelt die Verbindungsstelle dann stramm mit Bast, wobei man das Auge des Edelreises freilässt. Am Ende verknotet man den Bast. Vor dem Verbinden kappt man außerdem das Edelreis mit einem geraden Schnitt, so dass 2-3 gesunde Augen verbleiben.
Es ist hilfreich, wenn eine zweite Person die Unterlage hält.
Statt Bast könnte man auch spezielle Veredelungsgummis nehmen. Sie haben den Vorteil, dass sie nicht UV-stabil sind und daher später nicht aufgeschnitten werden müssen. Dafür kann man sie aber auch nicht so fest ziehen und sie verleihen damit weniger Stabilität.
Die Veredelungsstelle und das obere Ende müssen jetzt noch mit Baumwachs versiegelt werden. Damit verhindert man eine übermäßige Verdunstung, die das Edelreis vertrocknen lassen würde und verhindert das Eindringen von Pilzen, Bakterien und Viren. Damit das Baumwachs streichfähig wird, muss man es vorher warmstellen oder in einem Wasserbad anwärmen. Richtig heiß soll es natürlich nicht sein.
Nun müssen die veredelten Bäumchen nurnoch gepflanzt werden. Man kürzt dafür die Wurzeln mit einer scharfen Gartenschere um ca. 1/3. Damit schneidet man möglicherweise durch den Versand vertrocknete Wurzeln ab und regt die Neubildung an. Unsere Bäumchen haben wir zunächst in Töpfe gepflanzt, weil das Beet noch nicht vorbereitet ist. Auf jeden Fall das Angießen nicht vergessen.
Falls man mehrere Bäumchen mit unterschiedlichen Sorten veredelt hat, empfiehlt es sich, diese gut zu beschriften. Dafür haben wir die Stecketiketten aus Plastik gelocht und mit dem Bleistift beschriftet. Edding und ähnliche Stifte bleichen aus oder waschen ab. Durch die Lochung ein Band und dann unten um den Stamm gelegt - fertig.
Wie man sieht, ist die Veredelungsstelle bei uns einfach "irgendwo". Normalerweise wird wurzelnah veredelt, wodurch man die Veredelungsstelle später nicht mehr auf Anhieb sieht. Der Nachteil ist, dass die Veredelungsstelle dann auch leichter mal mit Erde bedeckt wird und selber Wurzeln schlägt. Dann könnte aus einem kleinen Bäumchen plötzlich ein wuchskräftiger Riese werden, was in diesem Fall nicht gewünscht ist. Die kleinen Bäumchen sollten natürlich unkrautfrei gehalten werden, bis sie groß genug sind, um sich so durchzusetzen. Schwächlinge wie die M9-Unterlage brauchen Zeit ihres Lebens einen Pfahl und sollten dauernd unkrautfrei bleiben. Wir werden es mit richtigem Unkrautvlies versuchen, haben aber noch keine Erfahrung damit.
Nach 4-6 Wochen muss der Bast durchgeschnitten werden, damit er nicht einwächst. Bis dahin sind Unterlage und Edelreis stabil miteinander verwachsen, wenn alles gut gegangen ist. Es reicht, den Bast an einer Seite aufzuschneiden. Wenn man versucht ihn ganz abzumachen, beschädigt man leicht die Veredelung.
Donnerstag, 23. Juni 2011
Unterlage bei veredeltem Obstbaum "überbrücken"
Durch die Wahl der Unterlage lassen sich Wuchs, Ertrag und bis zu einem gewissen Punkt auch Resistenzen des Baumes beeinflussen. Im Erwerbsobstbau werden z.B. spezielle schwachwüchsige Unterlagen verwendet, so dass die Baume klein aber ertragreich und damit gut zu ernten sind. Auch unterschiedliche Obstarten können so kombiniert werden. Für schwachwüchsige Brinen wird z.B. oft eine Quittenunterlage genommen, für Quitte Weißdorn usw. Nicht alle Obstsorten sind "kompatibel" Stein- und Kernobst wächst nicht stabil zusammen (also z.B. Kirsche auf Apfelunterlage). Bei Birnen sind manche Sorten mit vielen Birnenunterlagen nicht kompatibel. Insgesamt ist der ganze Bereich eine Wissenschaft für sich.
Normalerweise wissen die Baumschulen was sie tun und man sollte nicht daran herumpfuschen. Insbesondere wird davor gewarnt, die Veredelungsstelle mit Erde oder Grasschnitt zu bedecken, etwa indem man den Fangkorb des Rasnmähers an einem Baumstamm entleert. Dadurch kann es nämlich dazu kommen, dass die Veredelung Wurzeln bildet und sich auf eigene Füße stellt. Die Unterlage verliert dann ihren Einfluss und kann sogar absterben. Bei älteren Baumen ist die Gefahr der Bewurzelung nicht mehr so groß, dafür ist der später bedeckte Stammabschnitt aber ein Einfallstor für Schädlinge und Pilze.
Ich habe vor zwei Jahren einen Speierling (sorbus domestica) bei Ebay gekauft. Eigentlich wollte ich einen schönen großen Hochstamm ziehen, ein Sämling oder eine Veredelung auf Speierling war aber nicht günstig zu bekommen. Dafür aber ein Speierling auf Quittenunterlage. Vorteil: fruchtet früher, Nachteil: bleibt klein, geringere Lebenserwartung. Für 22,33 € inklusive Versand für ein mehrjähriges Bäumchen habe ich dennoch zugeschlagen. Die versprochene Ballenware war wurzelnackt in ein Erdgemisch gesteckt worde, das ich eher als feuchten Kehricht bezeichnen würde und einigermaßen vertrocknet war sie auch, aber der Baum hat sich gut erholt.
Eigentlich will ich aber ja einen großen Baum auf eigener Wurzel. Was sonst eine Gefahr ist, habe ich daher bewusst herbeigeführt. Drei Schubkarren Erde habe ich so um den Stamm gekippt, dass die Veredelungsstelle gut bedeckt ist. Nun hoffe ich, dass der Stamm über der Veredelungsstelle Wurzeln schlägt und sich auf eigene Füße stellt. Dann dürfte einem schönen großen Speierling nichts mehr entgegenstehen.
Hat vielleicht jemand Erfahrung (eventuell auch unfreiwillig) mit wurzelschlagenden Veredelungen? Hat es geklappt, wie lange hat es gedauert?
Die Veredelungsstelle vor dem Anhäufeln (rechts ist nur der Stützpfahl):

Nach dem Anhäufeln:

Ergebnis in voller Größe:

UPDATE 06.04.2014: Der Baum ist im letzten Jahr eingegangen. Ich glaube aber nicht, dass es an dem Versuch lag. Mehr dazu hier!
Dienstag, 31. Mai 2011
Erste Chip-Veredelung, es sieht schlecht aus!
Eine Woche nach meinem ersten Versuch der Chip-Veredelung sieht es nicht gut aus. Ich vermute stark, dass es ein Fehler war, ein Blatt am Chip zu lassen, da die Verdunstung dadurch größer ist und der Chip leicher austrocknet. Außerdem habe ich wohl nicht sauber genug geschnitten. Die Wundränder sehen bisher jedenfalls nicht so aus, als würden sie verwachsen, sondern nur so, als würde sie vertrocknen. Ich lasse natürlich dennoch alles so, wie es ist, schließlich sind Apfelbäume ja sehr regenerationsfähig. Vielleicht wird es ja doch noch was. Vorsorglich werde ich in den nächsten Tagen aber wohl noch einen neuen Versuch unternehmen und dabei noch sorgfältiger (und vorsichtiger) arbeiten.
bei der Gelegenheit sollte ich dann vielleicht auch mal die Makro-Einstellung des Fotoapparates verwenden, damit die Bilder etwas schärfer werden.
Donnerstag, 26. Mai 2011
Chip-Veredelung (un)cut: Äpfel, Chips und Blut
Ebenfalls vor zwei Jahren, haben wir begonnen, Apfelsämlinge zu ziehen, von denen einige sogar noch leben. Bekanntermaßen sind Sämlinge nicht sortenecht und die Wahrscheinlichkeit, einen schmackhaften Speiseapfel zu erhalten, ist verschwindend gering. Würde mann die Sämlinge auswachsen lassen, um zu sehen, was für Obst sie tragen, müsste man etwa ein Jahrzehnt warten und bräuchte viel viel Platz. Diese Zeit lässt sich verkürzen, indem man die Sämlinge auf einen schon Frucht tragenden Baum veredelt. Zwar sind meine Sämlinge noch nicht so weit, dass ich Material von ihnen gewinnen könnte, aber nächstes, spätestens übernächstes Jahr ist es soweit und bis dahin möchte ich eine einigermaßen zuverlässige Veredelungstechnik beherrschen.
Der Vorteil der Chip-Veredelung ist, dass ich sie auch jetzt im Frühsommer anwenden kann. Wie die Technik im Grundsatz funktioniert, sieht man gut auf der verlinkten Grafik.
Zunächst zu den nötigen Materialien. Man benötigt ein scharfes Messer, am besten einseitig geschliffen. Ich habe ein Okuliermesser verwendet, zur Not ginge aber wohl auch ein scharfes Küchenmesser. Man benötigt eine Unterlage, ich habe einen vielleicht 10 Jahre alten Roten Boskop genommen. Dann ein Auge mit Blatt von dem Baum, den man aufpfropfen möchte, dafür habe ich Grünen Boskop verwendet, ein geeignetes Auge zu finden war garnicht so leicht und ich bin auch nicht überzeugt, dass mein Material an dieser Stelle optimal ist. Zum Fixieren des Chips benötigt man einen Verband. Dafür habe ich ein spezielles Gummiband genommen, dass sich unter Sonneneinstrahlung langsam auflöst und deshalb nicht einschnürt. Im Sommer soll eine weitere Wundversorgung nicht nötig sein, daher habe ich auf den Einsatz von Baumwachs verzichtet.
Zunächst habe ich mir einen nicht zu dicken Zweig an der Unterlage gesucht und versucht, einen passenden Chip mit Auge auszuschneiden. Was beim Üben mit Weidenzweigen recht gut funktioniert hat, war bei einem fast waagerechten, noch am Baum befindlichen Zweig deutlich schwieriger. Meine ersten Versuche führten daher nur zu einer Verwundung des Baumes, wobei auch ich (scharfes Messer!) bluten musste.


Ich habe wohl mit zuviel Kraft geschnitten, jedenfalls habe ich über die untere Kerbe einfach hinausgeschnitten und einmal gleich weiter in den Finger...
An einem neuen Zweig und mit mehr Vorsicht und angezogenen Handschuhen hat es dann eindlich geklappt. Der Chip vom Grünen Boskop passte ziemlich gut, oben musste ich ihn natürlich auf die Länge des herausgeschnittenen Chips einkürzen. Er sitzt nicht Perfekt, aber das Kambium hat an vielen Stellen Kontakt. Unsicher bin ich mir allerdings, ob es richtig war, ein Blättchen dranzulassen. Das vorläufige Endergebnis sieht jedenfalls so aus.

Negative Prognose nach einer Woche
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