Freitag, 30. August 2013

Haus-Feldwespen / Gallische Feldwespen (Polistes dominula) lieben den Dill!

In den letzten Jahren hat sich die Gallische oder Französische oder auch Haus-Feldwespe bis zu uns nach Norddeutschland verbreitet, was vermutlich der Klimaerwärmung geschuldet ist. Bisher ist es die einzige der 5 in Europa heimischen Feldwespenarten, die bis zu uns und noch weiter nach Norden vorgestoßen ist.

Nun habe ich sie das erste mal bewusst im Garten wahrgenommen. Sie tummeln sich nämlich mit Vorliebe in den Blüten unseres Dillwaldes und ernähren sich vom Dillnektar. Von "normalen" Wespen kann man sie besonders durch ihre schmale Taille und den langgezogenen Körpfer unterscheiden. Außerdem lassen sie beim Fliegen witzig die Beine hängen.
Hausfeldwespe Haus-Feldwespe Französische Faldwespe Gallische Feldwespe
Im Gegensatz zu den "normalen" Wespen, mit denen sie natürlich verwandt ist, ist die Gallische Feldwespe ausgesprochen friedfertig und kommt normalerweise auch nicht zum Essen. Sollte sie einmal stechen, ist es nur kurz schmerzhaft. Sie ernährt sich vorwiegend vom Nektar von Doldenblütlern (deswegen liebt sie den Dill) und zur Aufzucht ihrer Nachkommen auch von kleinen Insekten, wie z.B. Stechmücken.
Die Völker sind deutliche kleiner als die normaler Wespen und bestehen nur aus bis ca. 30 Wespen, die von einer oder mehreren (aber nur einer dominanten) Königin regiert werden. Die Waben der entsprechend kleineren Nester aus einer papierähnlichen Masse sind nach außen nicht mit einer Hülle umgeben, wie man es von anderen Wespennestern kennt.
Im Laufe des Septembers geht das Volk ein und nur die Jungköniginnen bleiben übrig. Diese bleiben für die Überwinterung zusammen und nutzen als Winterquartier häufig das Geburtsnest.
Also bitte nicht die Nester dieser friedlichen und nützlichen Tierchen vernichten!

Weitere Informationen und Bilder findet ihr z.B. hier.

Donnerstag, 29. August 2013

Rosensorten und der Markenschutz (wieder Beispiel "Amber Queen")

Im letzten Artikel habe ich die Rosensorte "Amber Queen" = "Harroony" auf einen bestehenden Sortenschutz in Deutschland hin untersucht und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass kein Sortenschutz in Deutschland besteht. Dennoch taucht die Sorte mit einem ®-Zeichen versehen in diversen Katalogen auf.

Das ®-Zeichen sagt aber nichts über den Sortenschutz aus, obwohl häufig der pauschale Hinweis auf Sorten- und/oder Markenschutz folgt. Es steht allein für eine eingetragene Marke, also einen Handelsnamen für bestimmte Produktgruppen (Nizzaklassen).

Wie beim Sortenschutz gibt es eine europäische (HABM) und eine deutsche Institution (DPMA).
Im europäischen Register kann man hier suchen.
Das deutsche Pendant findet sich hier.
Die Maßgebliche Nizzaklasse für Rosen ist die Nummer 31.
Im europäischen Markenregister ist nur eine Marke für die Nizzaklasse 35 für ein Litauisches Unternehmen eingetragen.
Im deutschen Markenregister findet sich tatsächlich ein Treffer für das Suchwort "Amber Queen". Für die richtige Nizzaklasse 31 ist die Wortmarke "Union-Rose Amber Queen" für die ROSEN-UNION eG eingetragen. Marken gelten für 10 Jahre, können aber solange sie genutzt werden beliebig oft um 10 Jahre verlängert werden. Die Marke ist entsprechend schon einmal verlängert worden und damit nach wie vor gültig.

Die Werbung mit der Bezeichnung "Union-Rose Amber Queen ®" bleibt also dem Sorteninhaber und Personen mit einer von ihm erteilten Lizenz vorbehalten. "Amber Queen ®" ist nur ein Teil der Marke, könnte aber dennoch einen Schutz begründen, über die Einzelheiten in solch einem Sonderfall mögen sich die Markenrechtler streiten oder auch gerne hier äußern.

Der Name Harroony ist nicht als Marke geschützt und hat eher beschreibende Funktion, da er als Sortenname die Unterscheidung zwischen dieser und anderen Sorten unabhängig vom Vermehrungsbetrieb ermöglicht. Ob der Name eintragungsfähig wäre, mag ich wiederum nicht entscheiden, er ist aber nicht eingetragen.

Fazit: Zugelassene Vermehrungsbetriebe (da gibts dann auch wieder Vorschriften, die der Produktsicherheit und dem Verbraucherschutz etc. dienen...) müssten also die Sorte Harroony entweder unter diesem Namen oder einer freien Marke beliebig vermehren und verkaufen dürfen.

Mittwoch, 28. August 2013

Wie lange gilt der Sortenschutz bei Rosen? Beispiel „HARroony“ („Amber Queen")


Wie sieht es eigentlich mit dem Sortenschutz bei Rosen aus? Grundsätzlich gibt es ein deutsches Sortenschutzgesetz. Maßgeblich für die Schutzdauer sind dabei § 6 und § 13 SortSchG.

§ 13 Dauer des Sortenschutzes
Der Sortenschutz dauert bis zum Ende des fünfundzwanzigsten, bei Hopfen, Kartoffel, Rebe und Baumarten bis zum Ende des dreißigsten auf die Erteilung folgenden Kalenderjahres.


Vor der Erteilung gibt es noch eine Schonfrist, in der eine Sorte noch als neu gilt und somit noch angemeldet werden kann, obwohl sie schon im Handel ist. Das richtet sich nach § 6 SortSchG.

§ 6 Neuheit
(1) Eine Sorte gilt als neu, wenn Pflanzen oder Pflanzenteile der Sorte mit Zustimmung des Berechtigten oder seines Rechtsvorgängers vor dem Antragstag nicht oder nur innerhalb folgender Zeiträume zu gewerblichen Zwecken an andere abgegeben worden sind:
1. innerhalb der Europäischen Union ein Jahr,
2. außerhalb der Europäischen Union vier Jahre, bei Rebe (Vitis L.) und Baumarten sechs Jahre.


Die "Amber Queen" wurde 1983 geboren und 1984 in England von Harkness NewRoses Ltd. vorgestellt. Im sehr bescheidenen deutschen Sortenregister ist sie nicht zu findenSie genießt also offenbar keinen Schutz nach dem SortSchG.

Im Sortenregister findet man eine Pflanze am besten mit ihrem Züchternamen und nicht mit einem Handelsnamen. Der Züchtername einer Sorte setzt sich in der Regel aus den ersten drei Buchstaben des Züchters und einem Anhängsel zusammen. Die "Amber Queen" heißt "HARroony.

Die zweite Möglichkeit eine Sorte in Deutschland zu schützen ist der gemeinschaftliche (EU-) Sortenschutz. Dieser ist geregelt in der VERORDNUNG (EG) NR. 2100/94 DES RATES vom 27. Juli 1994 ueber den gemeinschaftlichen Sortenschutz. Inhaltlich ist der Sortenschutz mit dem deutschen Recht weitestgehend identisch. Diese umfassende Schutzmöglichkeit für die ganze EU ist auch der Grund, warum es kaum Eintragungen im deutschen Register gibt. Im europäischen Sortenschutzregister kann man (nicht rechtsverbindlich) auch im Internet suchen. Auch im europäischen Sortenschutzregister ist HARroony nicht eingetragen. Witzigerweise ist unter "Amber Queen" eine Elfenblumensorte von 2005 eingetragen, was durchaus rechtliches Konfliktpotential haben könnte. Das Register existiert allerdings auch erst seit 1995. "Amber Queen" ist jedenfalls als Rose nicht eingetragen und genießt daher offenbar auch keinen europäischen Sortenschutz.

Artikel 19
Dauer des gemeinschaftlichen Sortenschutzes
(1) Der gemeinschaftliche Sortenschutz dauert bis zum Ende des fuenfundzwanzigsten, bei Sorten von Reben und Baumarten des dreissigsten, auf die Erteilung folgenden Kalenderjahres.
(2) Der Rat, der auf Vorschlag der Kommission mit qualifizierter Mehrheit beschliesst, kann in bezug auf bestimmte Gattungen und Arten eine Verlaengerung dieser Fristen bis zu weiteren fuenf Jahren vorsehen.
(3) Der gemeinschaftliche Sortenschutz erlischt vor Ablauf der in Absatz 1 genannten Zeitraeume oder gemaess Absatz 2, wenn der Inhaber hierauf durch eine an das Amt gerichtete schriftliche Erklaerung verzichtet, mit Wirkung von dem Tag, der dem Tag folgt, an dem die Erklaerung bei dem Amt eingegangen ist.


Die Schutzdauer beträgt wie im deutschen Recht 25 bzw. 30 Jahre plus den Rest des Anmeldekalenderjahres. Rosen dürften nicht unter Reben oder Baumarten fallen, also gelten 25 Jahre. Von der Ermächtigung in Absatz 2 wurde bisher meines Wissens nur für Kartoffeln Gebrauch gemacht. Dass man auf ein Recht verzichten kann, versteht sich eigentlich von selbst.

Ergebnis: Die Schutzdauer für Rosen beträgt in Deutschland (vorbehaltlich mit nicht bekannter Rechtsnormen oder abweichender Auslegung) 25 Jahre plus den Rest des Anmeldekalenderjahres. Die "Amber Queen" wurde nach derzeitigem Recherchestand weder im deutschen, noch im euröpäischen Sortenschutzregister eingetragen und dürfte damit in Deutschland keinen Schutz genießen. Die Frage ist dann allerdings, warum bei vielen Händlern auf einen bestehenden Sortenschutz hingewiesen wird.

Wäre die "Amber Queen" 1984 eingetragen worden (Rechenbeispiel), würde man ab 1985 25 Jahre rechnen. Der Sortenschutz wäre damit Ende 2009 erloschen.

UPDATE 29.08.2013: Meist ist nicht (nur) die Sorte, sondern auch ihr Handelsname als Marke geschützt. mehr dazu hier.


Dienstag, 27. August 2013

Freitag, 23. August 2013

Wie haben sich die vom Reh abgefressenen Chilipflanzen erholt?

Der Rehbock hat Ende Mai unsere frisch ausgepflanzten Chilis und Paprika geräubert, die Kleineren geköpft und die Größeren entlaubt.
Inzwischen ist einiges Wasser die Elbe hinuntergeflossen, wie haben die ursprünglich 27 Chilis sich also entwickelt und ist vielleicht sogar noch mit einer Ernte zu rechnen?
Dieser Beitrag wird sehr lang, weil ich von jeder Chili ein Foto zeige und die Sorte dazuschreibe.
Vielleicht hat ja der ein oder andere Chiliexperte einen Rat, wie ich die Pflanzen möglichst pflegeleicht erfolgreich im Freiland anbaue. Verbissschutz gebt es nächstes Jahr auf jeden Fall...
Sollte ich mich mit der Sortenzuordnung vertan haben, bitte auch Bescheid sagen.

Die Ganze Reihe sieht jetzt so aus:
Reihe Chilis und Paprika
1.-5. Rote Paprika reich (genaue Sorte nicht bekannt). Relativ kleine Gemüsepaprika. Bisheriger Ertrag 2 Stk...
Rote Paprika reich 1 Rote Paprika reich 2 Rote Paprika reich 3 Rote Paprika reich 4 Rote Paprika reich 5
6.-8. Alma Paprika:
Alma Paprika 1 Alma Paprika 2 Alma Paprika 3
9.-11. Chocolate Beauty:
Chocolate Beauty 1 Chocolate Beauty 2
Chocolate Beauty Nummer 3 hat es nicht überlebt:
Chocolate Beauty 3
12.-14. California Wonder
California Wonder 1 California Wonder 2
California Wonder Nummer 3 ist eine krause Variation! Nagut, sie hat ins Gras gebissen und an der Stelle wächst nun Petersilie.
California Wonder 3
15. Sweet Ingrid
Sweet Ingrid
16.-20. Lemon Drops gelb
Lemon Drops gelb 1 Lemon Drops gelb 2 Lemon Drops gelb 3 Lemon Drops gelb 4 Lemon Drops gelb 5
21.-22. Mastodont
Mastodont 1 Mastodont 2
23.-25. Kleine scharfe Chilis Sorte unbekannt von diesem Jahr
Kleine Wilde diesjährig 1 Kleine Wilde diesjährig 2 Kleine Wilde diesjährig 3
26.-27. Kleine scharfe Chilis Sorte unbekannt überwintert aus dem letzten Jahr
Kleine Wilde vorjährig 1 Kleine Wilde vorjährig 2
Fazit: Bis auf zwei Pflanzen haben alle den massiven Rehangriff überlebt, allerdings sind sie alle deutlich in der Entwicklung zurückgeblieben und die Ernte war bisher vernachlässigbar gering.

Donnerstag, 22. August 2013

Wie lange hält sich abgelaufene saure Sahne? Wieder mal Mindesthaltbarkeitsdatum...

Es ist mal wieder passiert, ein Milchprodukt ist ungeöffnet im Kühlschrank in Vergessenheit geraten. Es ist wirklich erstaunlich, wie gut die Produkte sich meistens halten. Bevor ich eine ungeöffnete Packung wegwerfe, schaue ich daher wie sie ausieht. Ist der Deckel aufgebläht, weg damit. Mit Botulismus ist nicht zu spaßen.
Ist alles äußerlich normal, öffne ich die Verpackung und schaue und rieche. Wirkt alles normal und handelt es sich um ein normales Milchprodukt, probiere ich erstmal vorsichtig. Schmeckt es, verwende ich es ganz normal.

In diesem Fall hat es eine saure Sahne der Edeka-No-Name-Marke Gut&Günstig erwischt. Sie ist am 14.05.2013 abgelaufen.
Saure Sahne Abgelaufen Mindesthaltbarkeitsdatum
Verpackung ist am 13.08.2013, also knapp 3 Monate nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums völlig unauffällig. Auch nach dem Öffnen ist alles in Ordnung.
Saure Sahne abgelaufen geöffnet
Der Geschmackstest ergibt: saure Sahne!
Abgelaufene saure Sahne probiert
Auch ein guter halber Becher in der Hackpfanne und die andere Hälfte zusammen mit einem Glas Apfelmus haben geschmeckt und nicht zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung geführt.
Hackpfanne mit abgelaufener saurer Sahne
Nachmachen wie immer auf eigene Gefahr und mit gesundem Menschenverstand. Selbstverständlich ist nicht jedes abgelaufene Produkt unbegrenzt lange unbedenklich zum Verzehr geeignet.

Mittwoch, 21. August 2013

Vorerst gescheitert - meine Steckholzversuche

Vor einigen Monaten habe ich ja von meinen gut laufenden Steckholzversuchen berichtet. Mittlerweile laufen sie leider nicht mehr so gut. Die krasse Hitzewelle haben die Steckhölzer überwiegend nicht überlebt. Vielleich hatten sie auch doch keine Wurzeln gebildet. Allerdings schauten sie auch viel zu weit aus der Erde heraus, so dass die Verdunstungsfläche zu groß war. Sämtliche Apfel- und Quittensteckhölzer, die zunächst Blätter gebildet hatten und auch ein großer Teil der Kirschpflaumensteckhölzer ist jedenfalls inzwischen vertrocknet. Immerhin sind zwei Kirschpflaumen noch im Rennen.
Überwiegend vertrocknete Steckhölzer Kirschpflaumensteckholz 2 Kirschpflaumensteckholz 1
Die Erfolgsquote ist mit 20 % selbst bei den Kirschpflaumen schlecht, bei Quitte und Apfel beträgt sie gar 0 %. Im kommenden Winter werde ich die Steckhölzer tiefer stecken, so dass sie nur mit 1-2 Augen aus der Erde schauen. Eigentlich sah es nämlich lange sehr gut aus mit den Quitten- und Apfelsteckhölzern. Außerdem wird man wohl besser auf eine ausreichende Wasserversorgung achten müssen.

Dienstag, 20. August 2013

37 kg Patissonkürbisse und weitere Ernteerfolge!

Erntestatistik vom 11.08.2013
41 Patissonkürbisse mit einem Gesamtgewicht von über 37 kg von 6 Pflanzen! Preiswertes Rezept z.B. hier!
Patissonernte auf Rasen Patissonernte auf Schubkarre
Wir bleiben bei den Kürbisgewächsen. Nach der großen Zucchiniernte eine kleine Flaute, inzwischen geben die Pflanzen aber wieder Gas. 2 kleine Zucchinis mit 150 g und 221 g. Haben aber sehr gut geschmeckt.
Zucchini
Eine riesige Schmorgurke, die sowohl in der Hackpfanne, als auch roh super geschmeckt hat. Allerdings ist die Schale ziemlich hart. Gewicht: 1347 g.
Riesenschmorgurke
Und schließlich noch 1,5 kg Brombeeren. Da geht es jetzt auch richtig los.
1,5 kg Brombeeren
Der Eintrag im Gartentagebuch sieht dann ungefähr so aus:
Erntestatistik Küchentagebuch 11.08.2013

Montag, 19. August 2013

Meine eigene Cocktailkreation mit Fichtenspitzenaufgesetztem: "Fruity Forest"

Einfach mal um zu zeigen, was für leckere Getränke man mit selbst hergestellten Zutaten mixen kann, die es im Laden nicht zu kaufen gibt.
Cocktail Fruity Forest Fichtenspitzenaufgesetzter
Rezept:
Man nehme ein Whisky-Glas und gebe
2 cl Fichtenspitzenaufgesetzten,
2 cl Grenadinensirup,
2 cl Holunderblütensirup hinein und tue
gefrorene Erdbeeren (und in dem einen Glas Brombeeren) und teelöffelweise Zitroneneis dazu.
Mit Orangensaft aufgießen, nach Geschmack leicht umrühren, fertig!

Prost!

Sonntag, 18. August 2013

Mein erstes richtig selbst gebackenes Brot ohne Backform - ich teste Lutz Geißlers BrotBackBuch

Der Ulmer-Verlag war so nett, mir ein Rezensionsexemplar von "Das Brot Back Buch - Grundlagen & Rezepte für ursprüngliches Brot von Lutz Geißler" zur Verfügung zu stellen.
Wie rezensiert man eigentlich ein Backbuch, dass sich zudem eher als Nachschlagewerk verstanden wissen will? Ganz einfach, indem man ein Brot danach backt.
Lutz Geißler BROT BACK BUCH
Das Buch bietet neben einem sehr umfassenden wissenschaftlich-theoretischen Teil zum Nachschlagen Brotrezepte in drei Schwierigkeitsstufen. Als blutiger Anfänger, der zwar schon Brötchen aber noch nie ein Brot ohne Kastenform gebacken hat, habe ich mich erstmal bei den Anfängerbroten umgeschaut, um wie empfohlen gleich loszulegen.
Etwas Vorlauf benötigt man für die meisten Rezepte dann aber doch wieder, denn "ursprüngliches", handwerkliches Brot scheint sich durch eine lange Teigführung, also lange Gehzeiten auszuzeichnen. Entsprechend muss der Teig schon einen Tag vorher zubereitet werden. Ein Anfängerrezept ließ sich dann aber zum Glück doch an einem Tag bewältigen, und zwar das Weißbrot mit Buttermilch auf Seite 27.

Ich habe mich hier an meine übliche Methode (und die Empfehlung des Vorwortes) gehalten und nicht vorhandene Zutaten einfach ersetzt oder weggelassen. Die Gesamtzubereitungszeit vom Zusammenschmeißen der ersten Zutat bis zum fertigen Brot beträgt 5 Stunden. Reine Arbeitszeit allerdings nur 30 Minuten. Das heißt aber, dass man einen halben Tag Zuhause sein muss, wenn man das Brot backen möchte.

Zutaten Original:
500 g Weizenmehl Typ 550
50 g Weizenschrot
50 g kernige Haferflocken
55 g Wasser
325 g Buttermilch mit 1 % Fett
15 g Frischhefe
10 g Salz
10 g Zucker

Leider hatte ich weder 550er Mehl, noch Weizenschrot. Haferflocken (wenn auch keine kernigen) hätte ich gehabt, habe ich aber nicht gefunden. Daher sah mein Rezept dann so aus:
550 g Weizenmehl Typ 405
30 g Wasser
335 g Buttermilch mit 1 % Fett
15 g Frischhefe
10 g Salz
10 g Zucker


Letztlich also ein stinknormales Weißbrot. Aber es kommt ja nicht nur auf die Rezeptur an, sondern das Buch bieter in erster Linie einen tollen Einblick in die Auswirkungen der Teigbearbeitung.

Für das Kneten des Teiges wird eine Knetmaschine (Küchenmaschine mit Knetwerk) empfohlen. Die Knethaken des Handrührgerätes sollen den Teig angeblich nicht abkönnen und ziemlich schnell den Geist aufgeben, daher habe ich auf meine Hände als Knetwerkzeug zurückgegriffen.
Dabei soll man mit der Hand ungefähr doppelt bis dreimal so lange kneten, wie für die Maschine angegeben. Auch die unterschiedlichen Geschwindigkeiten kriegt man naturgemäß nicht so gut hin. Mit der Maschine hätte man den Teig 5 Minuten langsam und dann 10 Minuten schnell kneten sollen. Nach 20 Minuten konnten meine untrainierten Hände aber nicht mehr, also habe ich es dabei belassen.
Weißbrot mit Buttermilch Teig
Der Teig muss nun mit einem Geschirrhandtuch abgedeckt, damit er keine Zugluft bekommt, eine Stunde gehen.
Weißbrot mit Buttermilch 1 Stunde gegangen
Nach der ersten Stunde Gehzeit muss der Teig "gefaltet" werden. Man nimmt ihn dafür aus der Schüssel und zieht ihn auf einer nicht backenden oder bemehlten Arbeitsfläche auseinander, wobei der Teig möglichst nicht reißen soll.
Teig falten Schritt 1
Nun wird der Teig auch in die andere Richtung auseinandergezogen.
Teig falten Schritt 2
Der Teig wird so gefaltet, dass ein dreilagiges Quadrat entsteht.
Teig falten Schritt 3
Der Faltvorgang wird noch einmal wiederholt und der Teig wieder für eine Stunde abgedeckt gehen gelassen. Dann wird noch zweimal gefaltet und dem Teig nochmal 45 Minuten Gehzeit gegeben. Dann formt man einen Brotteig, der eigentlich an den Enden spitz zulaufen soll. Im Modellieren muss ich mich wohl noch üben... Der Teigling soll nochmal 30 Minuten gehen.
Weißbrot mit Buttermilch Teigling
Auch beim Backen gibt es einiges zu wissen und zu beachten, damit das Brot eine leckere Kruste erhält und richtig gar aber nicht hart und trocken wird. Das richtige Einschneiden des Teiglings ermöglicht dem Brot z.B: in der ersten Backphase noch aufzugehen, ohne zu stark von der fest werdenen Kruste gebremst zu werden. Einen ähnlichen Effekt und außerdem einen wichtigen Einfluss auf Farbe und Geschmack der Kruste hat das so genannte "Schwaden".

Der Backofen wird auf 250 °C vorgeheizt. Nun schiebt man ein Backblech mit Wasser unten in den Ofen und wartet, bis es siedet. Erst jetzt schiebt man das Brot auf der mittleren Schiene dazu und lässt das Brot für 10 Minuten im Wasserdampf backen. Danach öffnet man die Ofentür, nimmt das Wasserblech heraus und reduziert die Hitze auf 190 °C für die letzten knapp 40 Minuten.

Das Ergebnis war ein superleckeres Weißbrot, dass sich geschmacklich vor keinem Bäckerbrot verstecken musste. Im Gegenteil war die Kruste ausgesprochen aromatisch und zaartsplittrig.
Weißbrot mit Buttermilch Weißbrot mit Buttermilch aufgeschnitten
Fazit: Viel Aufwand für ein wirklich leckeres Brot. Das war erst das Anfängerrezept!
Mit dem Buch kann man sich ein ganz neues Hobby erschließen und erfährt unglaublich viel Hintergrundwissen, nach dem man sonst wohl in einem Ausbildungsbuch für das Bäckereihandwerk suchen müsste. Die Tipps und Anleitungen funktionieren und sind gut beschrieben und bebildert.
Für alle Brotfans eine absolute Leseempfehlung.


Das BROTBACKBUCH Grundlagen und Rezepte für ursprüngliches Brot
von Lutz Geißler
Verlag Eugen Ulmer KG
Erschienen 2013
ISBN 978-3-8001-7957-2
Preis in Deutschland 24,90 €