Freitag, 12. Juli 2013

Der ultimative Astscheren-Härtetest - Fiskars gegen Aldi und Co. bei 4 cm Totholz

Bisher hatten wir drei Astscheren. Eine "normale" und zwei Amboßscheren, davon eine mit Teleskopgriffen. Es sind alles billige Scheren von Aldi oder der unteren Baumarktpreisklasse. Damit ließ sich auch arbeiten, aber ab einer gewissen Dicke, bei Totholz und wenn normalstarke Frauen damit arbeiten war eben Schluss. Bei frischem Holz quetschen die Amboßscheren außerdem ziemlich stark. Die Firma Garten-XXL hat mir nun eine Getriebeastschere der schwedischen Marke Fiskars (Amazon-Affiliate-Link) zur Verfügung gestellt, die sich mit 69,90 € + Versand allerdings auch gleich in einer anderen Preisklasse bewegt. Für jemanden, der nur mal ein paar Ziersträucher mit geringer Aststärke zurückschneiden will, ist das zu teuer, wenn man nicht immer das Beste haben muss.

Ich will hier aber der Frage nachgehen, wie es im Bereich 4-5 cm Astdurchmesser bei Totholz aussieht. Dafür muss man normalerweise schon zur Säge greifen, denn die Herstellerangaben zum maximalen Durchmesser, den die Schere schaffen soll, beziehen sich in der Regel ganz offensichtlich eher auf frisches Weichholz und nicht auf trockenes Totholz.
Mit einer Schere, die den angesprochenen Durchmesser wirklich schafft, kann man zum Beispiel verwilderte Hecken kürzen, ohne zur Motorsäge greifen zu müssen. Auch beim Zerlegen von gefällten Bäumen ist sowas sehr praktisch, denn alles was nicht abgeschnitten wird hat dann Brennholzstärke.

Zunächstmal das Feld der Testteilnehmer:
Astscherenvergleich
Ganz oben die neue Fiskars-Getriebeastschere (Amazon Affiliate-Link).
Die Zweite von oben ist vom Discounter oder Baumarkt, vielleicht weiß ja jemand Genaueres. (UPDATE 14.07.2013: Ein Kommentator hat die Schere als Aldi-Modell identifiziert.)
Die dunkelgrüne Amboßschere hat Teleskopstangen. Sie stammt von Aldi. Beim ersten dickeren Ast sind die Arme im ausgefahrenen Zustand verbogen, da das Stangenmaterial einfach nicht stabil genug ist. Außerdem ist die Spitue bei einem Sturz abgebrochen. Qualitätsurteil: Schrott, kann man sich allenfalls schenken lassen.
Die Astschere mit den gelben Griffen ist wieder eine Amboßschere aus dem unteren Preissegment, deren Herkunft uns nicht mehr bekannt ist. Sie ist relativ schwergängig.

Amboßscheren haben den Nachteil, dass sie besonders bei frischem Holz stark quetschen. Dafür sollen sie etwas robuster und besser für Totholz geeignet sein. Getriebeastscheren haben einen weiteren Öffnungswinkel und eine bessere Kraftübertragung (bzw. geringere Übersetzung), brauchen aber mehr Platz beim Schneiden.

Als Testobjekt musste ein toter Erlenast mit ca. 4 cm Durchmesser herhalten.
Testast Erle Totholz

Den Anfang durfte die Aldi-Teleskopastschere maschen. Wie schon erwähnt ist das Ding ziemlicher Schrott und ich habe auch schonmal eine davon total verbogen. Ohne ausgefahrene Teleskopstangen kam ich nicht durch den Ast, mit ausgefahrenen Stangen ging es aber auch nur ein paar Milimeter weiter. Hätte ich noch stärker gedrückt, wären nur die Hebelarme noch weiter verbogen oder sogar abgeknickt.
Aldi Teleskopastschere im Test
Schnittergebnis Aldi Teleskopastschere
Wie man sieht, ist der Ast allenfalls halb durch. Da hilft auch die Amboßtechnik nichts. Wofür brauche ich bitte Teleskoparme, wenn die Schere dann trotzdem nur Zweige bis 3 cm Durchmesser schafft? Einziger Vorteil ist die Arbeitshöhe der Schere. Man kann kleine Zweige z.B. vom Fenster aus abschneiden und hat eine höhere Reichweite als mit normalen Scheren. Selbst bei dem Totholz hat die Amboßseite noch ziemlich stark gequetscht. Wer eine Amboßschere für den Obstbaumschnitt benutzt, verletzt den Baum unnötig stark.

Es geht durcheinander weiter. Die Amboßschere mit den gelben Griffen ist an der Reihe:
Test gelbe Astschere Schnittergebnis gelbe Astschere
Die Schere ist wesentlich weniger zerbrechlich als die Erste, selbst mit höchstem Kraftaufwand kommt man aber nicht viel weiter durch. Man muss aufpassen, dass man nicht mit viel Kraft verkantet, sonst kann man die Schere bei solchen Aktionen sicherlich auch zerstören.

Die Grüne Astschere habe ich bisher am liebsten benutzt, weil sie tatsächlich nicht so doll quetscht und ich den Eindruck hatte, dass sie recht gut schneidet und nicht ganz so schwergängig ist, wie die Gelbe. Frischen Kirschlorbeer von vielleicht 3-4 cm Dicke habe ich damit neulich auch mit einigem Kraftaufwand durchbekommen.
Grüne Astschere Test Grüne Astschere Testergebnis
Beim Totholz versagt sie allerdings fast ganauso, wie die ersten beiden Kandidaten. Vielleicht hat sie etwas mehr als die Hälfte geschafft, aber dann war auch Schluss.

Nun also zum Höhepunkt des Test das teure Markenprodukt. Laut der Produktbeschreibung soll die Getriebeastschere einen Durchmesser von 5 cm schaffen. 4 cm Totholz sollten da eigentlich kein Problem sein.
Fiskars 80 cm Getriebeastschere Fiskars 80 cm Getriebeastschere Testergebnis
Sind sie auch nicht! Mit vergleichsweise moderatem Kraftaufwand ist der Ast in einem Rutsch durch. Damit kann auch eine normalstarke Frau mal einen etwas dickeren Ast abschneiden. Man sieht, dass die Hebelarme fast 170° auseinandergehen. Auch den Maximaldurchmesser von 5 cm schafft die Schere mit ähnlicher Leichtigkeit beim Erlentotholz. Fehlt nur noch der Maximalbelastungstest. Das Aspruchsvollste Stück, das ich finden konnte war ein lebend abgesägter und seit einigen Jahren getrockneter Walnussastmit ca. 5,2 cm Durchmesser. mehr passt auch nicht zwischen die Schere.
Fiskars Getriebeastschere Härtetest Walnussholz 5,2 cm Fiskars Getriebeastschere Härtetest Walnuss 5,2 cm
Die Schere hat auch diesen Test ohne Beschädigung überstanden. Allerdings war dieser Schnitt schon ein Kraftakt. In Brusthöhe ging es nicht richtig, mit dem Ast auf dem Boden hat man mehr Kraft auf den Hebelarmen. Nun war das ja aber auch der Härtetest.

Fazit: Für den hier getesteten Durchmesser von 4 cm Totholz sind die billigen Astscheren definitiv ungeeignet, während die Fiskars Getriebeastschere bei relativ geringem Kraftaufwand problemlos damit klar kommt. Interessant wäre vielleicht nochmal der Vergleich mit einer billigeren Getriebeastschere (falls es wirklich billige Getriebeastscheren gibt).

Am schlechtesten schneidet die grüne Aldi Teleskopamboßastschere (ab). Sie hat eigentlich nur Schrottwert und ist von solche schlechter Qualität, dass man selbst in einem kleinen Garten nicht lange Freude daran haben wird.
Die gelbe Amboßastschere schneidet etwa genauso schlecht, ist aber insgesamt stabiler verarbeitet, dafür allerdings auch recht schwer und schwergängig.
Die grüne Astschere (vermutlich Aldi) ist für einen normalen Garten ausreichend und man arbeitet etwas platzsparender als mit der Getriebeastschere damit. Leider, leider weiß ich weder Modell noch Preis, hochpreisig war sie aber glaube ich nicht.
Der Testsieger in der Leistung ist wie erwartet die Fiskars 80 cm Getriebeastschere, die selbst bei richtig hartem Totholz noch alles schneidet, was ihr ins Maul passt. Mit frischem Holz sollte man damit nie Probleme bekommen. Im Vergleich zu den anderen Scheren muss man auch bei geringerem Astdurchmesser weniger Kraft aufwenden (mit dicken Efeuranken getestet). Die Langzeiterfahrung steht natürlich noch aus, die Verarbeitung und die überwiegend positiven Berichte im Internet lassen aber auf viel Freude mit dem Gerät hoffen. Einziger Wermutstropfen ist der mit 70 € + Versand recht hohe Preis. Im Baumarkt kostet die Schere übrigens ca. 80 € (entspricht ungefähr der UVP des Herstellers).

Kommentare:

  1. mein tipp..nimm eine gute Astsäge und sägebock viel leichter so bei totholz..gruß wiebke

    diese Scheren verwende ich nur bei frischem Holz..

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    1. Zum Zerkleinern für den Ofen natürlich. Das machen wir eh mit der Ketten- oder Kreissäge.

      Beim Vorzerlegen (Buschholz und Feuerholz trennen)von gefällten Bäumen arbeitet es sich aber schneller und bequemer mit einer Schere. Man muss dann nicht mit einer Säge auf dem Boden rumkrauchen. Wie gesagt funktioniert die Getriebeastschere auch bei Totholz bis 4 cm recht ordentlich und kraftsparend. Da bei uns alles über ca. 3,5 cm in den Ofen wandert also ideal.

      Klar schneidet man mit den Astschren überwiegend frisches Holz. Das war halt jetzt ein Maximalbelastungstest. Eine Schere, die Totoholz schafft, packt den gleichen Durchmesser Frischholz spielend.

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  2. Die silberne Schere mit den hellgrünen Griffen ist ganz klar von Aldi, da ist sogar noch die PLU-Nummer drauf. Würde eher vermuten, dass die Dunkelgrüne nicht von Aldi ist...

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    1. Ich war mit eigentlich relativ sicher, dass die Dunkelgrüne von Aldi ist. Danke für den Hinweis bezüglich der Hellgrünen. Ich werde das oben ergänzen.

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    2. ... ist sie auch. Gabs bei Aldi-Nord und hatte ebenfalls die 542 aufgeklebt, möglicher Weise anderer Hersteller, lief aber eben auch unter TopCraft (der Aldi-Hausmarke)

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  3. für mich gibt es mit der Fiskar nur eine Wahl, super einfach in der Technnik, ich öffne nie auch bei dicken Ästen die Arme so weit auseinander
    bei anderen Getriebe scheren nötig und meine war mit ca 55 Euro günstig als Angebot beim Citti Großmarkt im Frühling
    möchte sie nie mehr missen, gerade bei alten Zierstäuchern...
    die kleine Grosenschere auch super
    und mein Mann schwört auf seine Fiskar Axt!
    Frauke
    lieber ein gutes werkzeug mit Service und Ersatzteilen als welches für eine Saison
    es ist wie mit guten Lederschuhen, die viele Jahre halten zwar teuer in der Anschaffung aber auf die Jahre gerechnet sehr günstig,

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    1. Witzig der Vergleich mit den Lederschuhen. Tatsächlich trage ich meine braunen Lloyds nun schon 7 Jahre fast jeden Tag (4 neue Absätze, einmal neu besohlen lassen). Trotzdem ist das Oberleder noch ganz gut in Schuss, weil ich es gut pflege.

      Intensiv genutztes Werkzeug muss unabhängig von Preis und Marke einfach eine gewisse Qualität haben und der Belastung standhalten - sonst sind sie meist bald kaputt oder werden einfach nicht benutzt. Werkzeuge, bei denen die Qualität egal ist, oder die man nur selten benutzt können ruhig etwas ramschig sein, solange sie tun, wie sie sollen. Ich käme z.B. nie auf die Idee eine Markenharke zu kaufen (was kann man bei einer Harke viel falsch machen) oder einen Markenfugenkratzer (sinnloses Werkzeug, das man eh fast nie benutzt und letztlich eh nur ein Stück gestanztes Blech...)

      Man ist nur in aller Regel zu sparsam ein teures gutes Werkzeug zu kaufen, wenn man noch 2 billige hat, die noch funktionieren (den Unterschied kann man ja Mangels Erfahrung nicht einschätzen).

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  4. super Beitrag! Vielen Dank! Ich kenne nur die kleiner Fiskars Schere und bin auch sehr zufrieden damit.
    Viele Grüße von Renate

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  5. Fiskars,
    Vorsicht, die L77 von Fiskars hatte ich auch mal, hat 6 Monate gehalten und ist dann bei einem 15mm Ästchen einfach zerbrochen.
    Nix für Profis !!
    Achim

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  6. Hallo,
    Fiskars macht prima Werkzeuge, die Spaltäxte möchte ich auch nicht mehr missen. Allerdings überzugen mich die Getriebe-Scheren/Schneider nicht.
    Eine Getriebe-Heckenschere hatte immer mehr Spiel und versagte dann völlig.
    Und sie war nun wirklich nicht billig.
    Was ich bei Astscheren empfehlen kann: Bahco, Habe eine P160-SL75,
    geschmiedete Schneide, sehr scharf und nachzuschärfen und für Dauereinsatz im Profieinsatz gemacht.
    Kostet etwa soviel wie die Fiskars und wenn man sie in der Hand hatte, wisst Ihr, wovon ich rede. Ich habe viel Werkzeug, dabei gilt für mich der
    Grundsatz: Wer billig kauft, kauft zweimal.

    Gruß
    Klaus

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  7. Ich hatte die Fiskars Getriebe Astschere, sorry reiner Schrott.
    Nach einmal Garteneinsatz ist das Material schon gerissen.

    Lasst die Finger weg, Fiskars ersetzt diese euch auch nicht.
    Die Klingen sowie der Amboss ist ein großer Schwachpunkt.

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    1. Wenn die Schere beim ersten Einsatz den Geist aufgibt, würde ich stark vermuten, dass sie entweder einen Materialfehler hatte (klarer Gewährleistungsfall) oder unsachgemäß gehandhabt wurde (dann greift allerdings auch die Garantie nicht).

      Bleibt natürlich das Beweisproblem, wobei ich keine Erfahrung habe, wie kulant Fiskars ist.

      Hast Du probiert Ersatz zu bekommen und falls ja bei Fiskars direkt oder beim Händler?

      Ich bin nach bald 2 Jahren relativ häufiger Nutzung noch immer recht zufrieden mit der Schere. Vielleicht hat sie minimal an Schärfe verloren.

      Sind bei Dir beim ersten Einsatz sowohl die Klinge, als auch der Amboß kaputt gegangen? Kann mir nur schwer vorstellen, wie das passieren soll, wenn nicht gerade der ganze Scherenkopf auseinander fällt.

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  8. Hallo Chaosgarten,
    Also ich benutze schon seit 3 Jahren die erste Astschere (ganz oben auf dem Bild), Fiskars ist super, hält sehr gut, schneidet sehr gut, bin zufrieden!
    Wie andere auch schon erwähnt haben das Fiskars gutes Werkzeug macht, bin ich selber Meinung!

    Super Beitrag zum Thema Astscheren!

    LG Marko

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  9. Vor etlichen Jahren bekam ich eine Astschere mit Teleskopstiel geschenkt, ich hatte sie bei dem Besitzer so lange bewundert bis er sie mir abtrat inzwischen kann ich nicht mehr feststellen von welcher Firma sie ist, aber ich bilde mir ein sie hier schon mal gezeigt zu haben als das Firmenschild noch dran war, aber ich habe es hier nicht mehr gefunden.

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  10. Huhu Chaosgarten,
    Schön und ausführlich geschrieben!
    Ich selbst habe meine 2 Fiskars bereits 4 Jahre auf unserem Bauernhof und im Garten intensiv im Einsatz. Meine Frau hat unsere damals im Baumarkt gekauft. Meiner Meinung nach eine hervorragende Marke, auf die man sich verlassen kann. Ich bin mit der Schneidleistung und der Verarbeitung mehr als zufrieden, und würde Sie mir auch ein zweites mal holen, wenn die alten ihren Zweck nicht mehr erfüllen.

    Wünsche dir noch viel Spaß im Garten dieses Jahr!

    Grüße Johannes

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  11. Hallo ihr Chaoten,

    wo war denn nochmal dieser mega umfangreiche Artikel mit den Laubsaugern? Hast Du vielleicht nochmal den Link "griffbereit" ??

    LG

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