Freitag, 16. Januar 2015

Nach jahrelangem Siechtum und einem sehr langen Leben ist der Uelzener Rambour nun gefallen

Ca. hundert Jahre dürften unsere ältesten Apfelbäume sein. Das sind jetzt noch ein Schöner von Boskoop und ein Uelzener Rambour. Der Boskoop besteht nur noch aus einem großen Ast, die Anderen sind schon abgebrochen und auch der Uelzener Rambour hat schon zwei große Äste verloren.

Ein weiterer Uelzener Rambour hat vor Weihnachten das zeitliche gesegnet. Getragen hat er schon etliche Jahre nicht mehr richtig. Er bestand aus nur einem relativ kleinen Ast und hatte schon großflächig keine Rinde mehr am Stamm. Die übrigen Leitäste und das Stamminnere haben die Pilze zerfressen (Weißfäule).

Auslöser für den Sturz war übrigens nicht der Sturm. Der Baum ist bei praktisch windstillem Wetter umgekippt. Der morsche Stamm konnte das Gewicht des leicht geneigten Baumes einfach nicht mehr halten.
Gefalener Uelzener Rambour
Hier ein Blick von unten in den hohlen Stamm:
Gefallener Uelzener Rambour hohler Stamm von unten
Vor einigen Jahren war in dem sicher auch damals schon hohlen Baum auch mal ein Hornissennest.
Die Krone mit dem einen so gerade noch fast lebendigen Ast:
Gefallener Uelzener Rambour Krone
Auch die großen Äste sind alle hohl, deswegen sind die Meisten ja auch schon abgebrochen:
Gefallener Uelzener Rambour Blick von oben in den Stamm
Der Uelzener Rambour und der beim Sturm umgekippte Cox Orange vermitteln den Eindruck, der Sturm hätte eine Schneise geschlagen.
Gefallener Uelzener Rambou und Cox Orange zusammen
Sonst sind aber keine Bäume umgekippt. Ob noch mehr Bäume gestorben sind, wird man erst sehen, wenn sie im Frühjahr nicht austreiben. Diese beiden Kandidaten werden jedenfalls zu Feuerholz.

Kommentare:

  1. Kannst du den morschen, hohlen Teil nicht irgendwo im Garten liegenlassen? Blattschneiderbienen nisten gerne in so weichem Holz. Vielleicht sind sogar schon Nester drin.
    VG
    Elke

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    1. Hallo Elke,
      ich habe so keine verdeckelten Gänge gesehen. Allerdings wird das Holz ja zunächst noch zwei Jahre getrocknet, so dass die Bienen überwiegend wohl noch schlüpfen könnten.

      Allerdings ist das Apfelholz nur in einer relativ dünnen Schicht so total morsch.

      Die Bienen bekommen demnächst ein Insektenhotel und außerdem haben wir beschlossen, den Totholzhaufen an einem festen Platz zu belassen und nicht zu verbrennen oder zum Osterfeuer zu bringen.

      Ist halt immer eine Abwägung zwischen dem Heizwert und dem ökologischen Wert. Einige Birnenstumpen habe ich neulich zur Seite geräumt und dort liegen lassen, weil sie schon sehr morsch waren.

      Sollte ich beim Zerlegen größere Mengen Bruttunnel entdecken, würde ich die Segmente vermutlich an einen geschützten Ort verfrachten oder ins Insektenhotel integrieren.

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  2. Ich habe auch sogleich gedacht, dass das alte Holz doch ein ideales Insektenhotel wäre ;-)
    Bei uns im Garten ist im letzten Sommer plötzlich ein 3m Ast vom toten Apfelbaum runtergekracht. Und gerade heute habe ich mir den Baum sowie den Ast mal genauer angesehen: Da arbeitet allerlei Getier dran. Kein Wunder, dass der Specht so gern bei uns arbeitet. Auf jeden Fall werde ich den Ast nur in etwas handlicheren Stücken irgendwo an die Grenze verfrachten, damit er weiterhin zerlegt werden kann …
    VG Silke

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  3. Ohjee, jeder alte Obstbaum ist ein Verlust! Die alten Sorten sind meist ganz besonders interessant. Konntet Ihr denn von dieser Sorte aus den Apfelkernen neue Bäumchen ziehen?
    VG Zarina

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    1. Hallo Zarina,
      so funktioniert das bei Apfelbäumen leider nicht. Wenn man einen Kern großzieht, bekommt man einen Baum mit zufällig vererbten anderen Eigenschaften, die allenfalls eine gewisse Ähnlichkeit mit der Muttersorte aufweisen. Apfelzucht ist ein schwieriges Geschäft.

      Kernobst wird veredelt, also ein Zweig der Sorte auf eine neue Wurzel transplantiert.

      Wir haben noch einen weiteren, genauso alten Baum von der Sorte und auch schon zwei neu veredelte kleine Bäumchen. Eins auf einer starkwachsenden Unterlage und eines auf der schwachwüchsigen Unterlage M9. Beide sind aber noch lange nicht im Ertragsalter.

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  4. Das scheint ja der Winter der umgekippten Obstbäume zu werden ;-) Ich überlege tatsächlich, ob ich nach dem Verlust unseres (schon lange nicht mehr tragenden) Birnbaums, vielleicht doch mal einen neuen Obstbaum pflanze. Es gibt ja so viele schöne alte Sorten, deren Erhalt ich eigentlich mal unterstützen könnte. Pflanzt ihr neue Bäume nach?
    Viel Spaß weiterhin im Chaosgarten wünscht die Bauerngartenfee Petra :-)

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    1. Klar pflanzen wir neue Sorten an. Wir nehmen dabei vorrangig alte oder sogar verschollene Sorten und haben uns auch schon Reiser von Sorten besorgt, die uns schmecken, die pomologisch aber bislang nicht bestimmt werden konnten. Schließlich ist der Apfel und nicht in erster Linie der Sortenname erhaltenswert.

      Die Sortenvielfalt nimmt so bei uns relativ schnell zu, da unser Altbestand der Rest einer nebenerwerblichen Landwirtschaft ist und insofern auf relativ wenigen Sorten beruht. Die Bäume sind jetzt allerdings in einem Alter, wo wir jährlich etliche Bäume verlieren.

      Wir nehmen für Experimente und Notveredelungen schwachwüchsige Unterlagen, sonst aber eher Hoch- und Halbstämme. Außerdem experimentiere wir auch mit eigenen Sämlingen, Steckhölzern, etc.

      Da wir noch ca. 4000 Quadratmeter unbepflanzte Fläche haben, wird uns auch der Platz für neue Bäume in den nächsten Jahren nicht ausgehen.

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  5. Wir hatten auch ein sehr, sehr alten, hohlen Apfelbaum. Bienen haben ihr Nest darin gebaut. Ich hab´ ihn dann einfach stehen lassen, der Obst-Garten war zum Glück groß genug.
    Ich finde klasse, dass Du veredeln kannst! Das habe ich noch nicht geschafft.
    Freu mich, wieder von Dir zu lesen!
    Viele Grüße von Renate

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    1. Hallo Renate,

      leider kann ich auch nicht veredeln, das ist aber eher eine Übungssache. Ich hab nur imme rzuviel Angst, mir in den Daumen zu schneiden und mit Handschuhen fehlt die nötige Präzision...

      Wir haben den Baum trotz gelegentlicher optischer Bedenken von Besuchern auch so stehen gelassen, obwohl er schon seit Jahren kaum noch lebt und nichts mehr trägt. Der liegende Baum kann allerdings nicht so bleiben, da würde sich mit dem Jostastrauch und der Rose schnell ein Dickicht bilden, das wir an der Stelle nicht haben möchten.

      Dafür ist an der Stelle jetzt ja aber Platz für einen neuen Baum. Villeicht kann ja noch jemand einen interessanten Pfirsichsämling oder eine tolle Pflaume erübrigen, denn man soll auf Kernobst ja nicht gleich wieder Kernobst pflanzen, sondern lieber Steinobst.

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