Samstag, 28. Januar 2012

10 Terra Preta Antworten von Prof. Dr. Bruno Glaser

Ich hatte neulich auf einen Freilandversuch mit Terra Preta in Brandenburg hingewiesen, über den im Deutschlandradio berichtet wurde. Da der Bericht inhaltlich nicht sonderlich ausführlich war und ich noch etliche ungeklärte Fragen zum Thema Terra Preta im Kopf hatte, habe ich den Leiter des Versuchs, Prof. Dr. Bruno Glaser von der Universität Halle, der zu dem Thema forscht meine Fragen geschickt und auch Anwort bekommen. Da die Diskussion im Internet meist von Laien und Vermarktern von Terra Preta Produkten beherrscht wird, möchte ich euch die Fragen und Antworten nicht vorenthalten.

1. Existiert eine Publikation zu dem Projekt bzw. für wann ist eine Solche geplant? (bezieht sich auf den Versuch in Brandenburg)
Ist fast publiziert bei Journal of Plant Nutrition and Soil Science.

2. Welchem ihrer Projekte auf ihrer Webseite ist der beschriebene Versuch zuzuordnen? (damit findet man ein paar weitere Informationen auf der Uni-Seite)
BMBF-Projekt PYREG

3. Die kommerziellen Anbieter im Bereich Terra Preta propagieren "effektive Mikroorganismen" als Bestandteil des Herstellungsprozesses. Sie verwenden Kompost, was mir bisher wegen der Nähe der "Kompostbewohner" zum normalen Bodenleben auch logischer vorkommt. Gibt es Vergleichsversuche und Ergebnisse zwischen den "Aufladeverfahren" und wurde schon einmal ein Vergleich mit sterilisiertem Kompost/Mineraldünger + Boden angestellt?
Ja, wir machen diese Vergleiche und wie zu erwarten haben Ems keine positive Wirkung, sprich eine normale und gute Kompostierung ist auf jeden Fall der Vorzug zu geben (im Boden passiert ja auch nix anderes).

4. Daraus folgend, spielt die vorherige Besiedelung der Holzkohle mit Mikroorganismen eine Rolle, oder genügen Nährstoffe plus Bodenleben im behandelten Boden?
Ja, Mos sind schon wichtig, am besten die Kohle mit kompostieren.

5. Haben Sie für ihren Versuch Kompost und Holzkohle vermischt gelagert, oder erst zum Ausbringen vermengt?
In Brandenburg haben wir vor Ort gemischt, da es 2009 beim Start des Versuches noch keine Biokohle-Kompost-Substrate gab. Inzwischen arbeiten wir ausschließlich mit kompostierter Kohle (z.B. Feldversuch in Eckersdorf bei Bayreuth) und demnächst auch im Wendland.

6. Wurde in Ihrem Versuch im gleichen Maße wie auf der Vergleichsfläche gedüngt und gespritzt und falls ja, haben Sie auch eine Vergleichsfläche mit vergleichbarer Kompostdüngung, aber ohne Kohle? Kompost hat für sich schließlich schon einen positiven Effekt auf Bodenerwärmung, Wasserspeicherfähigkeit, Humusgehalt des Bodens und damit letztlich auf den Ertrag.
Ja, Vergleichsfläche wurde wie die anderen behandelt, aber ohne Biokohle und Kompost.

7. Wurde HTC-Kohle oder traditionell hergestellte Holzkohle verwendet und welche Korngröße benutzen Sie, bzw. halten Sie für zweckmäßig?
Holzkohle-Reste

8. Welche Mengen Holzkohle haben Sie pro Hektar ausgebracht.
5 bis 20 Tonnen.

9. Gibt es auch Versuche zu Holzkohleeintrag auf schweren Böden?
So weit ich weiß nicht.

10. Sehen sie mögliche Gefahren bezüglich möglicher Langzeitfolgen von Holzkohle im Boden, z.B. Schwermetallanreicherung im Oberboden, bessere Überlebensmöglichkeiten für Bodenschädlinge, die sich in der Kohle langfristiger ansiedeln könnten, Probleme bei oder durch Überdüngung, weil möglicherweise weniger Nährstoffe ausgewaschen werden...?
Die größte Gefahr ich evtl. die Winderosion und die Verwendung von Nicht-Biokohle-Materialien (z.B. HTC).


Ich habe mich sehr gefreut, dass ich tatsächlich eine Antwort bekommen habe. Natürlich sind die Antworten recht kurz, aber man kann schon etwas damit anfangen. Aus der Antwort zu Frage sechs ergibt sich nach meinem Verständnis, dass es keine Vergleichsfläche mit Kompost gab, so dass die darin enthaltenen Nährstoffe auch den Haupteeffekt haben könnten, bzw. es schwieriger sein dürfte, den Einfluss der Kohle zu identifizieren. Bestätigt fühle ich mich auch insofern, als meine Meinung, dass Effektive Mikroorganismen in diesem Zusammenhang nicht sinnvoll sind und dass Fermentierung das Verfahren unnötig verkompliziert bestätigt werden.

Kommentare:

  1. Hallo,

    obwohl ich mich momentan mit der Terra Preta Herstellung nicht mehr beschäftige, sehe ich dein Fazit mittlerweile ähnlich. EM (hier ist das verkaufte gemeint) ist unnötig. Natürlich sind Mikroorganismen unbedingt notwendig sonst geht überhaupt nichts, aber es sollten, wie im "Natuaral Farming" propagiert IMO´s (indigene Mikroorganismen!) sein - die kosten aber nix!. Auch beim fermentieren kann man sich die Frage stellen ob das in der Natur so vorkommt - Antwort: mir fällt dazu nichts ein!

    Durch das wegfallen beider Faktoren wird die Herstellung der Schwarzerde in der Praxis meines Erachtens erheblich erleichtert, da man zum Kompost eigentlich immer nur noch etwas Holzkohle dazugeben muss.

    Zwei Fragen aber bleiben mir noch: braucht´s den ganzen Aufwand in unseren Breiten überhaupt und wie wirkt sich die Kohle in schweren Böden aus?

    Gruß
    Rob

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  2. Also auf etwas schwererem Boden werde ich das bei uns mal ausprobieren. Ich könnte mir Vorstellen, dass sich der Boden besser und früher erwärmt und dass er etwas aufgelockert wird. Da schwere Böden in der Regel eine hohe Wasserspeicherkapazität haben, wird sich das wohl nicht wesentlich verbessern. Bei Sandböden könnte das aber der entscheidende Faktor sein.

    Sobald ich neue Erkenntnisse gewonnen habe, werde ich einen Artikel darüber schreiben.

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    1. Das wäre eine feine Sache wenn du daran weiterforschen würdest. Die Theorie zur Auflockerung des Bodens kann ich mir auch ganz gut vorstellen. Aber wo bekommt man die ganze Kohle her?! Mein Holzvergaserwerk als Lieferant ist leider ausgefallen! :-(

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    2. Karl 25.09.2012
      stelle seit 4 Jahren Terra Preta her. die ersten 3 Jahre unter Einsatz von EM. Da mir dieses aber zu aufwendig war und ich gleichzeitig einen Bericht von Dr. Piplow gelesen habe, dass es auch ohne EM super funktioniert, stelle ich seit diesem Jahr meine TP aus frischem Pferdemist ca. 70%, 20% Biokohle (es ist darauf zu achten, dass die Biokohle nicht von Holzvergaseranlagen stammt, da dort die Temperaturen zu hoch sind ca.1200 Grad. Dadurch zerfällt die Struktur der Kohle zu stark und die hohe innere Oberfläche ist nicht vorhanden.) und 10% Zeolith. Den Mist habe ich bereits beim Aufladen auf den Anhänger mit einem Rottemittel eingesprüht. Die ganze Miete ist ca. 30 Meter lang und wird mit einer Spezialfräse alle 14 Tage durchgearbeitet. Bei jedem Vorgang wird nochmals das Rottemittel eingesprüht. Nach 5 Monaten war das ganze sehr gut verrottet und hat den Kressetest bestanden. Eine Untersuchung durch ein Labor wurde ebenfalls durchgeführt, über 17% Humus, alle anderen Werte sind sehr gut.
      Das Wachstum in meinem Garten hat rasant an Fahrt zugelegt. Ich bin selbst total Begeistert. Ein Unterschied im Wachstum zwischen EM Terra Preta und meiner jetzigen kann ich nicht feststellen, außer dass es wesentlich einfacher ist in der Herstellung.

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  3. danke für die antworten,war sehr hilfreich, nun mss ich mich noch um gute Holzkohle kümmern...Komposterde und Mulchschichten, die ich zu Flächenkompost nutze habe ich schon reichlich. danke wiebke

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  4. Geht das nicht auch mit normaler Kohle - Kohlestaub zum Kompost bzw. vor der Kompostierung zum Biomaterial - wahrscheinlich weniger Oberfläche, dafür wesentlich billiger?

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    1. Was verstehst Du unter normaler Kohle? Holzkohlestaub geht, ob Braun- oder Steinkohle geeignet ist, kann ich nicht aus eigener Erfahrung sagen. Auch den preisvergleich habe ich nicht, würde mich aber interessieren. Vielleicht kannst Du es ja ausprobieren und mir von Deinen Erfahrungen berichten.

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