Montag, 30. Januar 2012

Judasohren: Pilze sammeln im Winter!

Nicht nur Austernseitlinge haben im Winter Saison, auch die Judasohren (Auricularia auricula-judae) lassen sich von winterlichen Temperaturen nicht schrecken. Sie frieren einfach ein und sehen dann besonders  interessant aus - echte Winterpilze eben.
Gefrorene Judasohren an Holunderholz
Überhaupt sind die Pilze echte Überlebenskünstler und man kann sie praktisch das ganze Jahr finden. Sie sind perfekt an wechselnde Witterung angepasst. Bei Trockenheit schrumpfen die Pilze, nur um bei Feuchtigkeit dann wieder voll aufzuquellen und weiterzuwachsen. Auch einfrieren und wieder auftauen macht ihnen nichts aus. Wegen dieser Eigenschaften eignen sich Judasohren am Besten als Trockenpilze und sind ein wichtiger Bestandteile chinesischer Suppen.
Bekannt sind sie in dieser Form unter diversen Handelsbezeichnungen, wie Mu-Err-Pilz oder Chinesische Morchel (obwohl die Judasohren nicht zu den Morcheln gehören). Der deutsche Name Judasohr geht auf eine Legende zurück, nach der sich Judas nach der Verurteilung Jesu an einem Holunder erhängt haben soll. Die Judasohren wachsen nämlich fast immer an Holunder und haben häufig eine Form, die menschlichen Ohren sehr ähnlich ist.

Ungefrostet sind die Ohren eher unauffällig, aber leicht zu finden, wenn man danach Ausschau hält. Viele alte Holunderbüsche haben welche an alten oder abgestorbenen Ästen. Gewichtsmäßig sind andere Pilze aber wesentlich ergiebiger, trotz guter Fundstelle habe ich in anderthalb Stunden "nur" ca. 400 g zusammen bekommen. So sehen die Ohren ungefrostet aus: Judasohr
Je nach Witterung und Fundstelle können die Pilze relativ sandig sein. Man sammelt auch meistens ein paar Rinden- und Moosstückchen mit. Ich habe die Pilze daher in Wasser geworfen und abgespült. So bekommt man Fremdkörper besser ab. Allerdings quellen die Pilze dabei stark auf, so dass das Trocknen länger dauert. Das habe ich mir ganz einfach gemacht, indem ich sie auf Küchenzwirn aufgefädelt und die Pilzketten an die Heizung gehängt habe.
Zum Trocknen aufgefädelte Judasohren
Getrocknet verlieren sie die braune Färbung, schrumpfen stark zusammen und werden natürlich federleicht.
getrocknete Judasohrenkette
In diesem Zustand kann man sie kleinbrechen, um mundgerechte Stücke für die Suppe zu haben. Über die Verwendung in der Küche kann ich noch nicht viel berichten, da ich sie noch nicht probiert habe. Sie sollen aber auf ihre volle Größe anschwellen, wenn man sie quellen lässt. Da die Judasohren praktisch keinen Eigengeschmack haben, kann man sie gut in würzigen Flüssigkeiten, wie Sojasauce oder Brühe ziehen lassen, deren Geschmack sie dann annehmen. Meine Kocherlebnisse werde ich dann bei Gelegenheit nachreichen.

Zuguterletzt soll nicht verschwiegen werden, dass die Judasohren auch als Heilpilze in der chinesischen Medizin gelten. Dafür ohne jede weitere Wertung das passende Zitat aus der Wikipedia: "In der Chinesischen Medizin werden die Pilze bei Patienten, die unter Arteriosklerose leiden, zur Verbesserung der Fließfähigkeit des Blutes und damit zur Behandlung von Kreislaufproblemen verwendet. Sie wirken zudem entzündungshemmend und senken den Cholesterinspiegel."


Gute Sammelstellen sind übrigens nicht schwer zu finden. Eigentlich muss man nur nach altem Holunder Ausschau halten. Der findet sich viel auf verwilderten Grundstücken, an Straßengräben und an Waldrändern. Der eigene Garten ist zwar auch eine gute Fundstelle, wird aber nicht die Mengen hergeben, die man vielleicht haben möchte. Verwechslungen sind übrigens praktisch ausgeschlossen (und im Übrigen relativ ungefährlich), wenn man einmal ein Judasohr in Natura gesehen hat. Für Verwechslungsmöglichkeiten siehe der Vollständigkeit halber dennoch hier.



UPDATE 30.01.2012: Annett hat die Anregung aufgenommen und hat gleich mal ihre Holunder inspiziert. Freut mich, dass ich ihr eine Freude machen konnte.

UPDATE 22.03.2012: Nun habe ich die getrockneten Pilze auch mal in der Küche ausprobiert.

Kommentare:

  1. Hier ein Kommentar vom Kräuterfraala, dass mich per Email mit der Bitte um Veröffentlichung erreicht hat, da sie ein kleines technisches Problem mit der Kommentarfunktion hat. Falls ihr auch Probleme beim Kommentieren habt, schreibt mir doch vielleicht eine kurze Email, bisher habe ich aber keine Klagen gehört und kann selber problemlos kommentieren.



    Der Kommentar vom Kräuterfraala (vielen Dank dafür):

    Das Judasohr ist ein toller Pilz!
    Pfarrer Kneipp kochte den Pilz in Milch und legte darin getränkte Kompressen auf entzündete Augen. Manche legten ihn in Rosenwasser ein und erfrischten auch die entzündeten und erschöpften Augen. Selbst als Gurgelwasser gegen Halsentzündung verwendete man den Pilz.
    Gegen Geschwüre sollte eine Salbe aus Judasohr & Tannenharz helfen.

    Essen konnte ich Judasohr noch nicht. Ich kenne nur drei alte Sträucher mit Pilzbefall - die anderen sind noch zu vital.

    Liebe Grüße vom Kräuterfraala

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  2. Iss ja interessant, da pilger ich doch gleich mal zu unseren ganzen Holundersträuchern...
    lg Annett

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  3. Hallo Lorenz,
    bin gerade erst zufällig hier vorbei gekommen. Wow unser alter armer Holunder bereitet uns Pilze. Das ist ja echt nett. Der Sturm die letzten Wochen hat ihm allerdings arg zugesetzt. Ernten werde ich ihn jetzt mal, aber ich warte mit der Zubereitung erstmal ab was du zu berichten hast ;) Wo ist denn euer Garten?

    viele Grüße

    Stephanie

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  4. Der Garten ist ein paar Kilometer südlich von Hamburg in Elbnähe. Holunder kannst du auch gut ausschneiden. Er trägt am zweijährigen Holz, also den jungen Trieben vom letzten Jahr am Besten. Wir haben etliche Büsche auf ca. 1 Meter Höhe runtergeschnitten, damit wir wieder Früchte in Erntehöhe haben, und um das abgestorbene alte Holz rauszuhaben. Genau daran wachsen aber die Judasohren. Heute beim Apfelbäume Fällen auch wieder ein paar gefunden.

    lg
    Lorenz

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  5. Gesehen habe ich diese Pilze schon. Dass man sie essen kann hätte ich aber nicht gedacht. Da werde ich mich mal wieder auf die Suche nach ihnen machen.
    Liebe Grüße von Marie

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  6. hallo Chaosgarten,
    danke für den genauen Beitrag. Gesehen habe ich sie schon oft, die Judasohren, aber aus Angst vor Verwechslung noch nie genommen - nach deinem Wikipedia-Link seh ich aber jetzt, dass sogar die Ähnlichsten doch sehr anders sind und ich ruhig einmal zugreifen kann. Ich dachte auch, die würden ausschließlich auf Holler wachsen und war noch verwirrter, wenn ich einmal so ein Exemplar auf einem Nicht-Holler gesehen habe.
    Ich habe aber schon oft welche gegessen: Denn die schwarzen, leicht schleimigen Pilze in der Suppe, die man beim Chinesen kriegt, sind Judasohren. Ob das Judasohren aus China oder von uns hier sind, weiß ich nicht (wahrscheinlich wären welche aus China billiger ...)
    Liebe Grüße, Eva

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  7. oh wie toll, das wusste ich alles noch nicht hoffentlich habe ich morgen Zeit meine Holunderbüsche zu kontrollieren. Danke für den tollen Bericht
    Liebe Grüße
    Claudia

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  8. An meiner Kiwi hab ich viele Judasohren, ich wusste nicht, dass das Mu err piulze sind.

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