Montag, 7. April 2014

Sortenschilder für Obstbäume aus Porzellantellern selbst gemacht à la Chaosgarten

Seitdem wir uns intensiver mit alten Obstsorten beschäftigen und auch selber mehr Sorten anpflanzen, überlege ich, wie man die Bäume möglichst dauerhaft, günstig und hübsch beschriftet. Schließlich habe ich mir die Variante mit Porzellantellern und Schlüsselbändern ausgedacht.

Was benötigt man?
1. Einen alten Porzellanteller (Untertassen für kleinere Schilder) mit freier Schreibfläche
2. Einen Porzellanmalstift, der im Backofen eingebrannt wird. Hier steht der Langzeittest noch aus.
3. Eine Bohrmaschine und ein Diamanthohlbohrer (4 mm)
4. Ein Schlüsselband mit Karabinerhaken
5. Eventuell ein Stück stabiler Draht

Wichtig ist der richtige Bohrer. Normale Steinbohrer kann man vergessen. Ich habe mit für ca. 12-15 € einen speziellen Keramikbohrer von heller gekauft. Das war rausgeschmissenes Geld. Damit kann man vielleicht Fliesen bohren, aber nicht das viel härtere Porzellan. Ich habe für ein Loch ca. eine Stunde gebraucht und war so blöd, das tatsächlich zweimal zu machen. Bei der Menge, die ich machen wollte, ist das aber inaktzeptabel. Abhilfe hat ein billiger Diamanthohlbohrer mit 4 mm Durchmesser geschaffen. Der hat inklusive Versand weniger als 5 € gekostet und nach ca. 40 Löchern ist er immer noch gut. Wer Zeit hat und sehr viele Löcher bohren will, kriegt sie aus China im Dutzend billiger.

Auch bei der Bohrtechnik ist einiges zu beachten. Zunächstmal ist jede Bohrmaschine geeignet, man sollte aber ohne Schlag bohren. Außerdem sollte man immer wassergekühlt bohren. Dafür reichen ein paar Tropfen, man merkt, wenn es zu trocken wird. Ohne Wasser wird die Reibungshitze zu schlecht abgeleitet und der Bohrkopf könnte ausglühen. Man benötigt keine spezielle Kühlvorrichtung, ein Schüsselchen mit Wasser und ein Löffel zum Benetzen des Tellers und des Bohrkopfes genügt.
Da der Hohlbohrer keine Spitze hat, rutscht man leicht ab. Man muss den Bohrer möglichst ruhig halten, den Teller auf eine feste Unterlage mit einem Brett drunter stellen und dann bei hoher Drehzahl ohne Druck anbohren. Wenn der Bohrer nicht mehr verrutscht (Gefühlssache) fängt man an, mit der Bohrmaschine kreisende Bewegungen auszuführen, wobei der Bohrer im Loch bleibt. Das verringert die Bohrzeit erheblich.
Ein minimaler Ausbruch an der Rückseite lässt sich nicht vermeiden, wenn man ohne viel Druck bohrt, sollte der Teller aber nicht springen.

Die Beschriftung erfolgt mit einem Porzellanmalstift, den man im Backofen einbrennen kann. Der Stift kostet ca. 5 €. Die Fröste hat die Farbe schonmal gut überstanden und da sie bis 40 oder 50 °C Spülmaschinenfest ist, sollte sie der normalen Witterung auch ziemlich lange standhalten.

Für die Befestigung am Baum habe ich Schlüsselbänder verwendet. Sie haben den Vorteil, dass man sie eh rumliegen hat. Natürlich nicht in den Mengen, die ich brauchte, also habe ich mein Umfeld mobilisiert und so einen ersten Schwung zusammen bekommen. Schlüsselbänder sind recht robust, glatt und breit. Sie schädigen damit die Scheuerstelle am Baum nicht so schnell. Der Karabiner dreht außerdem durch, so dass ein im Wind drehender Teller das Band nicht aufnuddelt. Die Teller kann man direkt an das Schlüsselband hängen, wenn das Loch dicht genug am Rand ist, sonst hilft ein Stück dicker Draht als Verbindungsteil.
Man sollte die Teller am besten an einem waagerechten Ast anhängen, so dass sie bei Wind nirgends gegenschlagen können. Ich habe durch schlechte Aufhängung einige Teller bei Stürmen verloren. Für schwierige Bäume könnte man auch ein zweites Loch unten in erwägung ziehen, damit der Teller fest fixiert werden kann. Die Befestigung auf dem Bild über diesem Absatz ist nicht optimal, da der Teller gegen den Pfahl schlagen kann. Eine zweite Bohrung zum richtigen festbinden oder zumindest eine Aufhängung ganz oben am Pfahl, damit der Teller nicht so schlenkert, wäre besser.

Auch für kleinere Pflanzen und Büsche kann man aus Porzellan dauerhafte Schilder herstellen. Ich nehme einfach passende Scherben und verpasse ihnen eine Bohrung. Für die Befestigung reicht dann ein Stück Bindedraht. Natürlich passt nicht viel Text drauf, aber gerade wenn Nummern oder Kürzel reichen, ist das gut. Auch ohne Bohrung kann man Scherben mit eingebrannter Beschriftung verwenden um Anzuchten in Töpfen zu markieren. Die Farbe verbleicht nicht (bisher) und das Schild fliegt auch nicht weg.

Kommentare:

  1. Wow, was für eine Idee! Wenn ich mehrere Bäume zu beschriften hätte, würde ich mir's überlegen. Hätte gar nicht gedacht, daß man selbst Porzellan durchbohren kann. Weißt Du vielleicht auch, ob man mit einer ganz gewöhnlichen Bohrmaschine bzw. Bohrhammer, den wir haben, auch in Steine akkurate Löcher bohren kann und wenn ja, mit welchem Bohrer oder Vorrichtung? Denn die Steine sind ja nicht leicht zu handhaben. Einspannen in irgendeine Vorrichtung??

    Liebe Grüße
    Sara

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    1. Hallo Sara,
      Steine dürften deutlich weicher sein als Porzellan. Da tut es vermutlich ein Hartmetallbohrer, wie der Keramikbohrer, den ich erst genommen habe. Wenn der Bohrer eine Spitze hat, verrutscht man mit etwas Vorsicht nicht so leicht. Ich würde allerdings auch nass bohren und als Einspannvorrichtung würde ich bei kleineren Löchern eine zweite Person vorschlagen, die das Werkstück auf einer festen Unterlage (Holzwerkbank, Brett, o.ä.) fixiert. Natürlich geht es auch mit einem Diamantbohrer.

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  2. Alle Achtung für die darauf verwendete Energie und Zeit.
    Für meinen Garten käme die Idee leider nicht infrage, die Optik wäre mir doch zu provisorisch (selbstgemacht ist toll, Ästhetik ist für mich aber ein Muss ^^). Ich tendiere momentan eher zu ausgedruckten und folierten Schildern (Vorteil: wunderschöne Schriften anstelle meiner Sauklaue), die mit ansprechenden Bändern befestigt werden. Da muss ich mir bei einem Unwetter auch keine Sorgen machen, am nächsten Tag nur noch Scherben vorzufinden ;-)

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    1. Selbst ausgedruckte Texte sind in der Regel nicht UV-beständig und auch bei den Foilien ist das nicht immer sicher. Ich habe schon viele derartige Beschilderungen in Kleingärtenkolonien, etc. gesehen, die nicht mehr besonders hübsch waren.

      Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Ich finde, durch die Vielfalt der Teller, den Kontrast zu den Bäumen und die Bewegung der Teller im Wind ist das Ganze schon ästhetisch.

      Bei ordentlicher Befestigung gibts auch keine Scherben.

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  3. Das ist eine witzige Idee - vor allem der Cox-Orangen-Pirat. ;-)
    VG
    Elke

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