Samstag, 21. Dezember 2013

Rezension: Rosenapfel und Goldparmäne


Rosenapfel und Goldparmäne - 365 Apfelsorten - Botanik, Geschichte und Verwendung. Brigitte Bartha-Pichler, Frits Brunner, Klaus Gersbach, Markus Zuber. 3. Aufl. 2009. 248 Seiten. Über 550 Farbfotos. Gebunden. ISBN 978-3-03800-209-3. 39,90 €.
Der AT-Verlag war so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen.

Das Buch ist etwas großformatiger und läd mit seinem liebevollen Design und den vielen Fotos geradezu zum Schmökern ein. Es enthält 365 Apfelsortenportraits, also für jeden Tag des Jahres eine Sorte.

Die Sortenportraits sind gelungen und jeweils mit einem hübschen Foto der Frucht am Baum illustriert. Für eine Sortenbestimmung sind sie freilich nicht geeignet, denn es fehlt eine Beschreibung der inneren Merkmale, wie Kerngehäuse etc. Entsprechend sind auch keine Schnittbilder vorhanden. Bei dem Buch handelt es sich aber auch nicht um ein Bestimmungsbuch. Es soll vielmehr für die Sortenvielfalt begeistern und vielleicht den einen oder anderen davon überzeugen, einer alten Sorte eine Chance im eigenen Garten zu geben.

Das Buch ist maßgeblich durch die Zusammenarbeit der beiden schweizer Vereine ProSpecieRara und Fructus entstanden. Entsprechend werden viele Sorten dargestellt, von denen ich als Norddeutscher noch nie gehört habe, die aber dennoch sehr reizvoll klingen.

Neben den Sortenbeschreibungen, die sich über das ganze Buch verteilen, gibt es jede Menge Themenartikel, die den Apfel aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Der erste Themenblock widmet sich ausführlich der Geschichte des Apfels als Kulturpflanze von ihrer Entstehung bis ins 19. Jahrhundert und dann im 19. und 20. Jahrhundert, also bis heute. Die Sortenportraits folgen dabei jeweils auf einen Themenblock. Der Geschichte bis ins 19. Jahrhundert folgen Portraits der ganz alten Sorten des 13. bis 18. Jahrhunderts, auf die neuere Geschichte folgen moderne Handelssorten ab dem 19. Jahrhundert.

Der Zweite Themenblock ist überschrieben mit "Sortenvielfalt in Gefahr". Hier geht es um die unglaubliche Vielfalt an Apfelsorten und die Probleme, die der Markt und der kommerzielle Anbau damit hat(te). Neben einer kleinen Einführung in die Begrifflichkeiten der Obstsortenklassifizierung (z.B. Kalvill, Schlotterapfel, etc.) wird die traditionelle Entstehung neuer Sorten aus Sämlingen beschrieben und erklärt, warum Lokal- und Regionalsorten ihre Daseinsberechtigung haben. Sie sind nämlich häufig hochgradig an den lokalen Standort angepasst und bringen dort als gesunde Bäume lange und reichlich Ertrag, während beliebte Tafelobstsorten auf dem gleichen Standort kümmern und schlechte und wenige Früchte bringen würden.
Fast einen eigenen Block stellt dann die Vorstellung von 13 beispielhaften Initiativen unterschiedlicher Größe, die sich dem Sortenerhalt verschrieben haben, dar. Thematisch passend folgen die Portraits regionaler und lokaler Sorten.

Das nächste Kapitel widmet sich den Mostäpfeln, mit deren Sortenbeschreibungen es endet. Es geht um die Herstellung von vergorenem und unvergorenem Apfelsaft. Interessanterweise ist der Apfelwein wesentlich älter als haltbarer Apfelsaft. Die Gärung diente früher gleichzeitig der Konservierung. Vergorener Apfelsaft war lange Zeit ein regelrechtes Alltagsgetränk, was sich durchaus auch auf die Gesundheit der Menschen auswirkte. Erst mit der gegensteuernden Antialkoholbewegung setzte sich dann der hitzesterilisierte Apfelsaft (Süßmost) durch. Schließlich geht es auch noch um die heutige Mostobstverwertung.

Die Getränkeindustrie ist zwar der größte Verwertungszweig neben dem Frischobst, es gibt aber auch noch eine Reihe anderer Verwertungsmöglichkeiten, die in diesem vierten Themenblock mit Rezeptvorschlägen und besonders geeigneten Sorten vorgestellt werden. Das sind z.B. getrocknete Apfelringe, zu Sirup eingedickter Saft, Apfelessig und Bratäpfel.

Das letzte Kapitel hat möglicherweise für viele Leser den größten praktischen Nutzen. Es geht um alte Apfelsorten für den Hausgarten. Neben den unterschiedlichen Baumgrößen und -formen geht es auch um die Baumpflege und natürlich die empfehlenswerten Sorten.

Fazit: Ein Buch, das man mit Genuss vor dem Kamin lesen kann und das die Vorfreude auf das neue Gartenjahr weckt. Da in diesem Buch nur Apfelsorten beschrieben sind, hat man einen sehr guten Querschnitt durch das vorhandene, oder eben kaum noch vorhandene Sortiment auch alter Sorten. Hervorheben möchte ich das Kapitel über Mostäpfel. Wirtschafts- und Mostäpfel kommen meines Erachtens sonst häufig zu kurz - sowohl in der Literatur, als auch im Anbau.



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