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Samstag, 21. Dezember 2013

Rezension: Rosenapfel und Goldparmäne


Rosenapfel und Goldparmäne - 365 Apfelsorten - Botanik, Geschichte und Verwendung. Brigitte Bartha-Pichler, Frits Brunner, Klaus Gersbach, Markus Zuber. 3. Aufl. 2009. 248 Seiten. Über 550 Farbfotos. Gebunden. ISBN 978-3-03800-209-3. 39,90 €.
Der AT-Verlag war so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen.

Das Buch ist etwas großformatiger und läd mit seinem liebevollen Design und den vielen Fotos geradezu zum Schmökern ein. Es enthält 365 Apfelsortenportraits, also für jeden Tag des Jahres eine Sorte.

Die Sortenportraits sind gelungen und jeweils mit einem hübschen Foto der Frucht am Baum illustriert. Für eine Sortenbestimmung sind sie freilich nicht geeignet, denn es fehlt eine Beschreibung der inneren Merkmale, wie Kerngehäuse etc. Entsprechend sind auch keine Schnittbilder vorhanden. Bei dem Buch handelt es sich aber auch nicht um ein Bestimmungsbuch. Es soll vielmehr für die Sortenvielfalt begeistern und vielleicht den einen oder anderen davon überzeugen, einer alten Sorte eine Chance im eigenen Garten zu geben.

Das Buch ist maßgeblich durch die Zusammenarbeit der beiden schweizer Vereine ProSpecieRara und Fructus entstanden. Entsprechend werden viele Sorten dargestellt, von denen ich als Norddeutscher noch nie gehört habe, die aber dennoch sehr reizvoll klingen.

Neben den Sortenbeschreibungen, die sich über das ganze Buch verteilen, gibt es jede Menge Themenartikel, die den Apfel aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Der erste Themenblock widmet sich ausführlich der Geschichte des Apfels als Kulturpflanze von ihrer Entstehung bis ins 19. Jahrhundert und dann im 19. und 20. Jahrhundert, also bis heute. Die Sortenportraits folgen dabei jeweils auf einen Themenblock. Der Geschichte bis ins 19. Jahrhundert folgen Portraits der ganz alten Sorten des 13. bis 18. Jahrhunderts, auf die neuere Geschichte folgen moderne Handelssorten ab dem 19. Jahrhundert.

Der Zweite Themenblock ist überschrieben mit "Sortenvielfalt in Gefahr". Hier geht es um die unglaubliche Vielfalt an Apfelsorten und die Probleme, die der Markt und der kommerzielle Anbau damit hat(te). Neben einer kleinen Einführung in die Begrifflichkeiten der Obstsortenklassifizierung (z.B. Kalvill, Schlotterapfel, etc.) wird die traditionelle Entstehung neuer Sorten aus Sämlingen beschrieben und erklärt, warum Lokal- und Regionalsorten ihre Daseinsberechtigung haben. Sie sind nämlich häufig hochgradig an den lokalen Standort angepasst und bringen dort als gesunde Bäume lange und reichlich Ertrag, während beliebte Tafelobstsorten auf dem gleichen Standort kümmern und schlechte und wenige Früchte bringen würden.
Fast einen eigenen Block stellt dann die Vorstellung von 13 beispielhaften Initiativen unterschiedlicher Größe, die sich dem Sortenerhalt verschrieben haben, dar. Thematisch passend folgen die Portraits regionaler und lokaler Sorten.

Das nächste Kapitel widmet sich den Mostäpfeln, mit deren Sortenbeschreibungen es endet. Es geht um die Herstellung von vergorenem und unvergorenem Apfelsaft. Interessanterweise ist der Apfelwein wesentlich älter als haltbarer Apfelsaft. Die Gärung diente früher gleichzeitig der Konservierung. Vergorener Apfelsaft war lange Zeit ein regelrechtes Alltagsgetränk, was sich durchaus auch auf die Gesundheit der Menschen auswirkte. Erst mit der gegensteuernden Antialkoholbewegung setzte sich dann der hitzesterilisierte Apfelsaft (Süßmost) durch. Schließlich geht es auch noch um die heutige Mostobstverwertung.

Die Getränkeindustrie ist zwar der größte Verwertungszweig neben dem Frischobst, es gibt aber auch noch eine Reihe anderer Verwertungsmöglichkeiten, die in diesem vierten Themenblock mit Rezeptvorschlägen und besonders geeigneten Sorten vorgestellt werden. Das sind z.B. getrocknete Apfelringe, zu Sirup eingedickter Saft, Apfelessig und Bratäpfel.

Das letzte Kapitel hat möglicherweise für viele Leser den größten praktischen Nutzen. Es geht um alte Apfelsorten für den Hausgarten. Neben den unterschiedlichen Baumgrößen und -formen geht es auch um die Baumpflege und natürlich die empfehlenswerten Sorten.

Fazit: Ein Buch, das man mit Genuss vor dem Kamin lesen kann und das die Vorfreude auf das neue Gartenjahr weckt. Da in diesem Buch nur Apfelsorten beschrieben sind, hat man einen sehr guten Querschnitt durch das vorhandene, oder eben kaum noch vorhandene Sortiment auch alter Sorten. Hervorheben möchte ich das Kapitel über Mostäpfel. Wirtschafts- und Mostäpfel kommen meines Erachtens sonst häufig zu kurz - sowohl in der Literatur, als auch im Anbau.



Weitere Rezensionen zu Obstsortenbüchern:

Handbuch Obstsorten
Farbatlas Alte Obstsorten

Dienstag, 5. November 2013

Rezension: Handbuch Obstsorten - 300 Obstsorten in Wort und Bild (Gerhard Friedrich/Herbert Petzold)

Handbuch Obstsorten
Handbuch Obstsorten. 300 Obstsorten in Wort und Bild. Gerhard Friedrich, Herbert Petzold. 2008. 624 S., 300 Aquarelle von Ernst Halwaß, geb. ISBN 978-3-8001-4853-0. € 19,90
Der Ulmer Verlag war so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen.

Das Handbuch Obstsorten ist mit seinen über 600 Seiten gerade noch handlich zu nennen und bietet entsprechend viel Inhalt. Auffällig ist, dass es bei ungefähr gleicher Sortenzahl etwa doppelt so viele Seiten wie der Farbatlas Alte Obstsorten aus dem selben Verlag hat. Das liegt an der aufwendigeren grafischen Darstellung.

Nach einer kurzen Einleitung und leider keiner Erläuterung der Merkmalsnomenklatur der Früchte, folgt der Hauptteil des Buches - der Sortenteil. Die Obstartenkapitel sind dabei durch farbliche Kennzeichnung am Vorderschnitt gut kenntlich gemacht, was es einem erleichtert, gleich zur richtigen Obstart zu springen. Beschrieben sind in dieser Reihenfolge 74 Apfel-, 56 Birnen-, 6 Quitten-, 56 Steinobst-, 18 Nuss- und 56 Beerenobstsorten, 28 Sorten und Arten seltenes Kern-, Stein- und Beerenobst und 7 Sorten Tafeltrauben. Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind es also wirklich 300 Sorten.

Jede Sortenbeschreibung nimmt eine Doppelseite ein. Links befindet sich immer die Beschreibung und auf der rechten Seite eine hervorragende Aquarellgrafik von Ernst Halwaß.
Je nach Obstart ist die Beschreibung etwas unterschiedlich aufgebaut, auffällig ist insbesondere ein anderes Layout beim Steinobst. Unabhängig davon sind aber alle wesentlichen Merkmale und Informationen vorhanden. Die Beschreibung der Äpfel gliedert sich z.B. in die unterschiedlichen Namen der Sorte, die Herkunft, Fruchtbeschreibung, Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge, Ernte, Lager, Verwendung, Baumbeschreibung, Blüte, Unterlagen, Widerstansfähigkeit, Standort, Anbaueignung, Mutanten und Verwechslersorten. Einzelne Punkte können dabei auch mal fehlen, wenn es nichts zu schreiben gibt. Als Besonderheit sind in dem Buch auch 4 moderne "Re-Sorten" aus der "Pillnitzer Züchtung" des Institus für Obstforschung in Dresden-Pillnitz beschrieben, die mit einem kleinen Stammbaum versehen sind.
Die beschriebenen Fruchtmerkmale lassen sich auf den Abbildungen gut nachvollziehen.

Das Sortenspektrum ist sehr bunt gemischt, berücksichtigt neben einigen alten Sorten aber doch in erster Linie die für den kommerziellen Anbau bevorzugten Sorten, darunter auch viele moderne.

Die Aquarelle sind künstlerisch sehr ansprechend und bilden die Fruchtmerkmale gut ab. Der Vorteil einer derartigen Darstellung ist, dass alle Merkmale idealisiert darstellen kann, während auf Fotos einzelne Merkmale meist nicht so gut ausgeprägt sind. Es gibt halt weder Durchschnittsmenschen, noch Durchschnittsfrüchte. Der Nachteil ist aber, dass zumindest mir als Laie die Übersetzung in die Wirklichkeit schwerer fällt, als bei einem Foto. Leider ist bei den Äpfeln und Birnen nur die Frucht und ein Schnitt abgebildet. Bei den anderen Obstarten sind zumeist zusätzlich noch die Blätter, ein Zweig, die Blüte und bei Steinobst der Stein mit abgebildet. Dies ist auch bei den Quitten der Fall, so dass auch eine diesbezügliche Trennung in Kernobst und Rest nicht erkennbar ist. Ich vermute, dass es wie bei den unterschiedlichen Beschreibungsgliederungen an den unterschiedlichen Autoren der Buchteile liegt. Ein einheitliches Erscheinungsbild wäre für den Leser vielleicht angenehmer. Blätter, Zweig und Blüte können auch bei Äpfeln und Birnen wichtige Merkmale sein, insofern ist das Fehlen dieser Abbildungen schade.

Auch wenn das Buch nicht ausdrücklich als Bestimmungsbuch daherkommt, eignet es sich trotz der kleineren Einschränkungen wegen der hervorragenden Grafiken und der vollstänigen Beschreibungen gut dafür. Eine kurze Einführung in die Beschreibungssystematik, wie sie im Farbatlas Alte Obstsorten zu finden ist, würde einen hohen Mehrwert für die Leser bedeuten, die sich erstmals mit der Thematik beschäftigen. Das wäre auf wenigen Seiten möglich.

Fazit: Das bisher beste Sorten(bestimmungs)buch. Schade, dass "nur" 74 Apfel- und 56 Birnensorten beschrieben sind, aber dann wäre das Buch noch dicker. Für den Liebhaber alter Obstsorten und wegen der dort vorhandenen Merkmalslehre, ist der Farbatlas Alte Obstsorten als erstes Buch zu empfehlen, wer das Sortenspektrum um modene Sorten erweitern möchte und etwas Vorbildung hat, ist mit diesem Buch aber mindestens ebenso gut beraten.

Eine Leseprobe gibt es auf der Seite des Ulmer-Verlags.

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Farbatlas Alte Obstsorten
Rosenapfel und Goldparmäne

Dienstag, 29. Oktober 2013

Rezension: Farbatlas Alte Obstsorten (von Walter Hartmann, Eckhart Fritz)

Der Ulmer Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar der aktuellen 4. Auflage des Buches "Farbatlas Alte Obstsorten" überlassen. Bezahlbare, aktuelle obstkundliche Fachbücher sind rar gesät. Die historischen Werke sind schwer zu bekommen und entsprechen auch nicht den heutigen Sehgewohnheiten. Insofern ist dieses Buch, soviel schonmal vorab, ein wichtiger Bestandteil der pomologischen Abteilung unserer Hausbibliothek geworden.
Farbatlas Alte Obstsorten Ulmer 4. Auflage
Farbatlas Alte Obstsorten. Walter Hartmann, Eckhart Fritz. 4. Auflage 2011. 318 S., 445 Farbfotos, 7 Zeichn., geb. ISBN 978-3-8001-7634-2. € 24,90

Nach einigen lesenswerten Grundinformationen zum Obst und seiner Geschichte und Bedeutung gibt es eine kurze und gut bebilderte Einführung in die Bestimmungsmerkmale der Früchte und ihrer Bezeichnungen. Nur so kann man mit den Sortenbeschreibungen im Hauptteil des Buches etwas anfangen.

Der Sortenteil des Buches ist nach Obstarten und dann innerhalb der Kapitel alphabetisch gegliedert.

Den Anfang machen die Äpfel mit 138 beschriebenen Sorten.
Den oberen Teil der Sortenbeschreibung nimmt ein Foto der Früchte am Baum ein. Aus dieser Abbildung mehrer Früchte kann man einen ersten Gesamteindruck gewinnen.
Unter dem Bild folgt eine zweispaltige Sortenbeschreibung. Sie beginnt mit dem Sortennamen und bekannten Synonymen. Soweit bekannt wird außerdem in wenigen Zeilen die Herkunft und das Alter genannt.
Der eigentliche Textteil umfasst dann eine allgemeine Beurteilung zu den wichtigsten Vor- und Nachteilen und der Anbaueignung der Sorte, die die weitere Beschreibung zusammenfasst.
Unter "Verwendung" wird angegeben, ob es sich um eine Tafel- oder Wirtschaftssorte handelt und ob sie gegebenenfalls für bestimmte Verarbeitungen, wie z.B. Saft oder Dörren besonders geeignet ist.
Die Angaben zur Frucht sind für die Bestimmung am wichtigsten. Hier werden zunächst Aussagen zur Pflückreife, zur Genussreife und und zur Lagerfähigkeit und Lagerentwicklung gemacht. So kann man Sorten, die den falschen Reifezeitpunkt haben leicht ausschließen. Außerdem werden die einzelnen Merkmal, wie Kernhaus, Blüte, Stiel und Geschmack beschrieben.
Auch der Baum wird bezüglich seines Wuchses und der geeigneten Standorte, Befruchtereigenschaft, etc. beschrieben. Auch diese Merkmale sind für eine Bestimmung in Zweifelsfällen hilfreich.
Unter "Besondere Merkmale" werden auffällige Eigenschaften der Frucht aufgeführt, auf die man bei der Bestimmung besonders achten sollte.
Zum Abschluss werden wie in einem Pilzbuch Verwechslersorten genannt, die ähnliche Früchte haben können.
Ganz unten auf jeder Seite ist eine leider mit gut einem Zentimeter sehr kleine Abbildung eines Längstschnittes durch den Apfel, so dass man auch das Innenleben, z.B. Fruchfleischfarbe, Kernhaus, Kerne, Blütenform, etc. erkennen kann. Leider ist bei manchen Sorten der Stiel nicht gut erkennbar, was auch an der geringen Größe der Abbildungen liegt. Bei einer Neuauflage sollte überlegt werden, hier nachzubessern.

Die 101 beschriebenen Birnensorten teilen sich noch einmal in Tafelbirnen und Most- und Wirtschaftsbirnen auf. Die Beschreibungstechnik entspricht der bei den Äpfeln, allerdings fehlen hier die Schnittbilder ganz, obwohl meist sogar noch Platz auf der Seite wäre. Die ohnehin schwierige Bestimmung wird dadurch nicht unbedingt erleichtert.

Bei den 22 Pflaumen- und Zwetschensorten tritt an die Stelle einer Schnittabbildung eine Abbildung des Steins.

Bei den 13 Krischensorten gibt es wieder keine kleinen Abbildungen.

Insgesamt sind somit 274 Sorten beschrieben. Dabei handelt es sich natürlich nur um eine kleine Auswahl der beschriebenen Sorten. Dennoch eignet sich das Buch um einen Anfang zu machen und sich an Bäumen, deren Sorte man kennt zu trainieren. Die Praxis lässt sich nicht durch ein Buch ersetzen und gute Pomologen haben meist Jahrzehnte Erfahrungsschatz.
Das Buch ist aber auch dann eine Hilfe, wenn man es nicht zum Bestimmen benutzen möchte. Hat man seine Sorten erstmal ermittelt, weiß sie noch oder kauft nach Lektüre des Buches eine neue alte Sorte für den eigenen Garten, gibt das Buch auch Informationen zum Ertntezeitpunkt, zur Lagerung und zu besonderen Verwendungsmöglichkeiten. Auch sollte man damit überprüfen können, ob es sich wirklich um die gekaufte Sorte handelt, oder ob der Baumschule einer der häufigen Fehler unterlaufen ist und man eine andere Sorte erhalten hat.

Fazit: Ein gutes Fachbuch, das sich einen festen Platz in unserer Hausbibliothek verdient hat. Der Ladenpreis liegt außerdem in einem für derartige Bücher sehr moderatem Bereich. Einen direkten Eindruck kann man sich durch eine Leseprobe auf der Seite des Ulmer Verlags verschaffen.

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Rosenapfel und Goldparmäne

Freitag, 24. August 2012

Kurzrezension: John Seymour - Wie alles wieder anfing/Die Lerchen singen so schön

John Seymour kennt man von seinen tollen Selbstversorger- und Gartenbüchern wie z.B. Das große Buch vom Leben auf dem Lande, Selbstversorgung aus dem Garten, etc.
Er hat seine Ideen, die im wesentlichen in einer kleinteiligen Selbstversorgerlandwirtschaft bestehen auch in Romanform verfasst. In der Hamburger Bücherhalle habe ich den Titel "Wie alles wieder anfing" gefunden. Dieser scheint identisch zu sein, mit dem ebenfalls vergriffenen "Die Lerchen singen so schön", der zuweilen auch in Foren empfohlen wird.

Das Buch spielt in England. Der Protagonist, der letzte verbliebene nachhaltig wirtschaftende Landwirt steht im Konflikt mit dem örtlichen Vertreter eines Agrarkonzerns. In Folge mehrerer Konflikte in den Ölfördernden Staaten bricht die Ölversorgung und in Folge die gesamte Industrie inklusive der Agrarwirtschaft, sowie der private Verkehr weitestgehend zusammen. Zusätzlich gibt es in England einen harten Winter, so dass Millionen Menschen in den Ballungszentren erfrieren oder auf andere Weise ums Leben kommen.
Schließlich versucht das Militär die Ordnung mit Gewalt wiederherzustellen und versucht die vorhandenen Restbestände gerecht zu verteilen. Das Hauptproblem, die Wiederherstellung der Nahrungsversorgung, bekommt es aber nicht in den Griff. Ländliche Gebiete erklären sich teilweise für autark und wehren sich gegen die "Plünderungen" und die Misswirtschaft des Militärs. Der Protagonist findet sich recht bald als Anführer einer Guerilla-Truppe wieder, deren Wirken Seymour recht breit behandelt. Schließlich wird das Militär mit zunehmender Untestützung der Landbevölkerung besiegt und der Aufbau eines neuen, weniger zentralistischen Gemeinwesens auf weitgehend vorindustriellem Niveau beginnt. Fazit des Buches ist, dass die meisten Menschen in dieser Lebensweise schließlich glücklicher sind als vorher, da sie den Bezug zum Boden, der sie ernährt, wiedergefunden haben.

Das Buch ist nett zu lesen und ähnelt bis auf die militärisch geprägten Teile den neueren Romanen von Eva Marbach. Letztlich ist es ein Utopischer Roman, der nur durch die Hilfsannahme eines massiven Bevölkerungsschwundes realitätsnah wird. Die militärischen Aspekte, insbesondere ein hoher Bewaffnungsgrad in der Zivilbevölkerung stellen aber einen wesentlichen Unterschied zur Situation in Deutschland dar, so dass sich die Situation hier bei gleichem Ausgangsszenarion wohl anders darstellen würde.

Leider sind beide Ausgaben offensichtlich völlig vergriffen und im Onlineantiquariat nur zu überhöhten Preisen um 25 € zu haben. Wer es gerne lesen möchte, sollte sich an gut bestückte Bibliotheken halten oder einfach mal danach Ausschau halten.

Donnerstag, 12. April 2012

Buchverlosung und Rezension: Jakob Augstein - Die Tage des Gärtners (Vom Glück, im Freien zu sein)


Vor einigen Wochen hatte ich völlig unerwartet eine Benachrichtigung der Post im Kasten. Der Brief habe nicht in den Briefkasten gepasst und ich dürfe ihn mir daher in der Postfiliale (1,5 Kilometer Entfernung) abholen (aber bitte erst am nächsten Werktag ab 10 Uhr).

Ich habe mich also in freudiger Erwartung aufs Rad geschwungen und die ominöse Sendung abgeholt. Mit dem Inhalt des Briefes hatte ich wirklich nicht gerechnet. Es handelte sich um ein Exemplar des Buches "Die Tage des Gärtners - Vom Glück im Freien zu sein" von Jakob Augstein, das mir der Hanser Verlag, in dem das Buch erschienen ist, als "Leseexemplar" zukommen lässt. Natürlich möchte der Verlag, dass ich darüber hier schreibe, die Bitte wird aber sehr zurückhaltend und unaufdringlich formuliert, so dass ich mich in erster Linie über das Buchgeschenk gefreut habe. Ich hoffe, dass ich in Zukunft mal wieder so eine Überraschung im Briefkasten habe.
Jakob Augstein Die Tage des Gärtners
Zunächst mal die "technischen" Rahmendaten des Buches. Es ist ordentlich gebunden und hat einen schicken Einband mit einem nicht Durchgehenden Schutzumschlag (der grüne Teil auf dem Foto ist der eigentliche Einband, der Rest ist Umschlag). Das buch hat 272 Seiten und etliche farbige Illustrationen von Nils Hoff. Es kostet in Deutschland (Buchpreisbindung) 17,90 €. Für den Fall, dass es jemand in Handel sucht, die ISBN-Nummer ist 978-3-446-23875-6. Das Buch ist erst am 6. Februar erschienen, also noch praktisch druckfrisch.

Was ist das für ein Buch?
Naja, ein Gartenbuch ist es schon. Allerdings darf man keine konkreten Anleitungen, Anbautipps oder etwas in der Art erwarten. Ich würde es als Gartenprosa bezeichnen. Der Autor schreibt, grob an Jahreszeiten orientiert über Erlebnisse mit und Gedanken über seinen Garten und schweift dabei mitunter in philosophische Betrachtungen ab. Der sprachliche Stil ist insofern recht ansprechend und es liest sich flüssig weg. Anstrengender wird das Lesen erst gegen Ende, wo der Autor sich ausführlich über seine Lieblingssorten aller möglichen Ziergewächse auslässt. Aus diesen Teilen kann man als passionierter Ziergärtner aner sicher auch den ein oder anderen praktischen Tipp mitnehmen.

Die Einstellung des Gärtners zum Garten
Jakob Augstein ist ein Fan möglichst naturferner Gärten. Alles muss seine Ordnung haben, der Garten soll ein reiner Ziergegenstand sein, der darüber hinaus auch bitte keinerlei praktischen Nutzen haben soll. Selbst Beerensträucher widersprechen diesem radikalen Ästhetikkurs. Gemüse ist etwas Verachtenswertes und die Rückbesinnung auf den Nutzgarten ein Rückschritt, den uns die Wiedervereinigung eingebrockt hat. Damit der Garten allzeit schön und ordentlich ist, muss auf das volle Arsenal der käuflichen Chemie zurückgegriffen werden. Dünger reichlich, Gift am Besten gleich in doppelter Dosis. Es soll schließlich nicht zu natürlich werden.

Wer mein Blog regelmäßig liest, dem wird schon aufgefallen sein, dass ich mit dem Ziergarten eher nichts am Hut habe und auch kein Ordnungsfanatiker bin. Der Nutzwert, am Besten in Form von leckerem Essen, steht bei mir im Vordergrund. Ein Freund der Chemiekeule bin ich auch nicht unbedingt.

Dennoch muss ich zugeben, dass das Buch eine kurzweilige Lektüre für die Bahnfahrt war. In meinem Bücherschrank hat es aber keinen dauerhaften Platz verdient. Es gefällt mir nicht so gut, dass ich es nochmal lesen müsste und bietet kein Wissen, auch das ich später nochmal zurückgreifen möchte. Für überzeugte Ziergärtner mag das durchaus anders sein.

Buchverlosung
Vielleicht gibt es ja jemanden unter meinen Lesern, der oder die Interesse an dem Buch hat und ihm vielleicht sogar eine dauerhafte Heimat geben möchte. Unter allen Lesern, die in einem Kommentar zu diesem Artikel ihr Interesse bekunden, verlose ich das Buch und schicke es kostenlos als Büchersendung zu. Bitte denkt daran, dass ich den Gewinner auch benachrichtigen können muss. Solltet ihr also so kommentieren, dass euer Pseudonym nicht auf eine Seite verlinkt ist, über die ich euch per Email erreichen kann, schickt mir einfach eine Email mit der Kommentarnummer und dem Betreff "Buchverlosung". Meine Email-Adresse findet ihr im Impressum. Eure Daten werden selbstverständlich nicht weitergegeben und nur für die etwaige Gewinnbenachrichtigung benutzt. Berücksichtigt werden alle Teilnehmer bis zum 30. April 2012.

UPDATE 28.05.2012: Mit einem Monat Verspätung bin ich zurück und habe die Auslosung vorgenommen. Gewonnen hat Elke, herzlichen Glückwunsch und viel Spaß mit dem Buch.