Ich hatte neulich auf einen Freilandversuch mit Terra Preta in Brandenburg hingewiesen, über den im Deutschlandradio berichtet wurde. Da der Bericht inhaltlich nicht sonderlich ausführlich war und ich noch etliche ungeklärte Fragen zum Thema Terra Preta im Kopf hatte, habe ich den Leiter des Versuchs, Prof. Dr. Bruno Glaser von der Universität Halle, der zu dem Thema forscht meine Fragen geschickt und auch Anwort bekommen. Da die Diskussion im Internet meist von Laien und Vermarktern von Terra Preta Produkten beherrscht wird, möchte ich euch die Fragen und Antworten nicht vorenthalten.
1. Existiert eine Publikation zu dem Projekt bzw. für wann ist eine
Solche geplant? (bezieht sich auf den Versuch in Brandenburg)
Ist fast publiziert bei Journal of Plant Nutrition and Soil Science.
2. Welchem ihrer Projekte auf ihrer Webseite ist der beschriebene
Versuch zuzuordnen? (damit findet man ein paar weitere Informationen auf der Uni-Seite)
BMBF-Projekt PYREG
3. Die kommerziellen Anbieter im Bereich Terra Preta propagieren
"effektive Mikroorganismen" als Bestandteil des Herstellungsprozesses.
Sie verwenden Kompost, was mir bisher wegen der Nähe der
"Kompostbewohner" zum normalen Bodenleben auch logischer vorkommt. Gibt
es Vergleichsversuche und Ergebnisse zwischen den "Aufladeverfahren" und
wurde schon einmal ein Vergleich mit sterilisiertem
Kompost/Mineraldünger + Boden angestellt?
Ja, wir machen diese Vergleiche und wie zu erwarten haben Ems keine positive
Wirkung, sprich eine normale und gute Kompostierung ist auf jeden Fall der
Vorzug zu geben (im Boden passiert ja auch nix anderes).
4. Daraus folgend, spielt die vorherige Besiedelung der Holzkohle mit
Mikroorganismen eine Rolle, oder genügen Nährstoffe plus Bodenleben im
behandelten Boden?
Ja, Mos sind schon wichtig, am besten die Kohle mit kompostieren.
5. Haben Sie für ihren Versuch Kompost und Holzkohle vermischt gelagert,
oder erst zum Ausbringen vermengt?
In Brandenburg haben wir vor Ort gemischt, da es 2009 beim Start des
Versuches noch keine Biokohle-Kompost-Substrate gab. Inzwischen arbeiten wir
ausschließlich mit kompostierter Kohle (z.B. Feldversuch in Eckersdorf bei
Bayreuth) und demnächst auch im Wendland.
6. Wurde in Ihrem Versuch im gleichen Maße wie auf der Vergleichsfläche
gedüngt und gespritzt und falls ja, haben Sie auch eine Vergleichsfläche
mit vergleichbarer Kompostdüngung, aber ohne Kohle? Kompost hat für sich
schließlich schon einen positiven Effekt auf Bodenerwärmung,
Wasserspeicherfähigkeit, Humusgehalt des Bodens und damit letztlich auf
den Ertrag.
Ja, Vergleichsfläche wurde wie die anderen behandelt, aber ohne Biokohle und
Kompost.
7. Wurde HTC-Kohle oder traditionell hergestellte Holzkohle verwendet
und welche Korngröße benutzen Sie, bzw. halten Sie für zweckmäßig?
Holzkohle-Reste
8. Welche Mengen Holzkohle haben Sie pro Hektar ausgebracht.
5 bis 20 Tonnen.
9. Gibt es auch Versuche zu Holzkohleeintrag auf schweren Böden?
So weit ich weiß nicht.
10. Sehen sie mögliche Gefahren bezüglich möglicher Langzeitfolgen von
Holzkohle im Boden, z.B. Schwermetallanreicherung im Oberboden, bessere
Überlebensmöglichkeiten für Bodenschädlinge, die sich in der Kohle
langfristiger ansiedeln könnten, Probleme bei oder durch Überdüngung,
weil möglicherweise weniger Nährstoffe ausgewaschen werden...?
Die größte Gefahr ich evtl. die Winderosion und die Verwendung von
Nicht-Biokohle-Materialien (z.B. HTC).
Ich habe mich sehr gefreut, dass ich tatsächlich eine Antwort bekommen habe. Natürlich sind die Antworten recht kurz, aber man kann schon etwas damit anfangen. Aus der Antwort zu Frage sechs ergibt sich nach meinem Verständnis, dass es keine Vergleichsfläche mit Kompost gab, so dass die darin enthaltenen Nährstoffe auch den Haupteeffekt haben könnten, bzw. es schwieriger sein dürfte, den Einfluss der Kohle zu identifizieren. Bestätigt fühle ich mich auch insofern, als meine Meinung, dass Effektive Mikroorganismen in diesem Zusammenhang nicht sinnvoll sind und dass Fermentierung das Verfahren unnötig verkompliziert bestätigt werden.